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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-08-01 · Heft 8 (1.8.1898) · p. Seite 173

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 8 (1.8.1898)
Date
1898-08-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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Was man einer Pfarrersköchin anvertraut, bleibt nicht lange Geheimnis und so kam es bald um's ganze Dorf herum, der Hausierer Abraham habe heidenmäßig viel Geld und jedes von seinen Kindern bekäme nach seinem Tode zehntausend Gulden. Abraham lächelte dazu und schwieg. Er war nicht stolz auf sein Vermögen und ging nach wie vor mit seinem Bündel von Haus zu Haus, bis er eines Tages unter der Last zusammenbrach. Der Gemeindediener brachte ihn nach Haus zu seinen sieben Kindern, es wurde der Arzt geholt, und die Pfarrersköchin schickte ihm abends eine Suppe, denn sie hatte den Abraham immer gern gesehen wegen seines Humors. Aber er erholte sich nicht wieder. Von Tag zu Tag wurde es schlechter mit ihm. Als er sah, daß es zu Ende gehe, ließ er den Gemeindevorsteher zu sich bitten. „Nun, Abraham", sagte dieser, „Ihr wollt mir wahrscheinlich Mitteilungen machen wegen des Vermögens, das Ihr, wie ich gehört habe, Euren Kindern hinterlasset". „Jawohl", seufzte der Hausierer, „das will ich. So hören Sie denn meinen letzten Willen. Auf dem Boden oben steht eine Kiste. Sie ist fest vernagelt und außerdem hängt noch ein Vorhängeschloß daran. Hier ist der Schlüssel dazu. Die Kiste lassen Sie aufmachen, wenn ich tot bin. Sie enthält das Vermögen meiner sieben Kinder". Noch am selben Abend seufzte Abraham seinen letzten Seufzer aus. Weinend umstanden die Sieben das Totenbett. Am Morgen darauf kam der Gemeindevorsteher in's Sterbehaus. „Seid ruhig," tröstete er die armen Würmer, „für Euch ist gesorgt. Ich gehe jetzt auf den Boden und lasse in Gegenwart von zwei Zengen die Kiste öffnen, worin Eüer Vermögen liegt." Die Kiste wurde aufgemacht und von oben bis unten durchgesucht, aber von einem Vermögen wollte sich nichts zeigen. Schon wollte der Gemeindevorsteher wieder gehen, als der eine der beiden Zeugen einen Strumpf auf dem Boden der Kiste entdeckte. Er hob ihn auf und richtig, eS war etwas darin — ein Papier sorgsam zusammengefaltet und mit einer Aufschrift versehen, die aber Niemand lesen konnte, denn sie war hebräisch. Man holte einen Juden herbei. Die Aufschrift lautete: An den Herrn Salomon Meier Rothschild in Wien. „Donnerwetter!" platzte der Gemeindevorstand heran-, „das lasse ich mir gefallen. Ein Hausierer der sein Vermögen bei Rothschild deponiert". Nun ging's an den Inhalt des Schreibens. Da war freilich keine Rede von einem Vermögen. Der Brief lautete ganz

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