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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-08-01 · Heft 8 (1.8.1898) · p. Seite 172

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 8 (1.8.1898)
Date
1898-08-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 zufließt. — Des Weitern sollten alle Juden es sich zur Pflicht machen niemals in Geschäften zu kaufen, die offen oder versteckt antisemitischen Tendenzen huldigen. Wir alle sollten uns darin zusammenfinden, den Antisemitismus und jede Art religiöser Unduldsamkeit mit aller Energie und durch die That zurückzuweisen. Thäten wir eS, es stünde besser um uns. Diese Art Boykott würde manchen Gegner zur Einsicht und Besinnung bringen, er würde andre schrecken, die heute drauf los agitieren, im sichern Vertrauen darauf, daß die Isolierten und Hülflosen ihren Forderungen und Anmaßungen nicht zu widerstehen wagen, und er würde die Achtung vieler erwerben, die heute kopfschüttelnd nicht begreifen können, daß viele Juden aus falscher Scham ihren Namen und ihren Geldbeutel Bestrebungen zur Verfügung stellen, die mittelbar oder unmittelbar von ihren Gegnern ausgehen. Wolhschjsds Erbschaft. Eine wahre Geschichte. Als der bekannte Anselm Rothschild noch ein Knäbchen war, da lebte in einem galizischen Dorfe ein armer jüdischer Hausierer, den der Herr mit sieben Kindern gesegnet hatte. Er hatte spät geheiratet und stand bereits am Abend seines Lebens. Das „Pinker"! wurde ihm oft schwer genug, und wie eifrig er auch von früh bis abends seinem Berufe nachging, so reichte der Verdienst doch kaum hin für die Sieben. Zum Unglück starb ihm noch die Frau, und er mußte nun auch neben dem Geschäft die Haushaltung führen. Aber er ließ deshalb den Mut nicht sinken. „Ist Euch nicht bange, Abraham," fragte eines Tages den Hausierer die Pfarrersköchin, einer seiner besten Kunden „was einmal aus Euren Kindern wird! Ihr seid alt, und die Kinder sind alle noch klein. Gott behüte Euch, denn wenn Ihr sterben solltet, ehe sie sich ernähren können, das gäbe ein Unglück." „Ein Unglück ist es immer" erwiderte Abraham, „wenn die Kinder den Vater verlieren, da haben Sie ganz Recht, liebe Jungfer Christine. Ein um so größeres Unglück wäre es bei mir, da die Kinder auch keine Mutter mehr haben. Aber wie kommen Sie mir vor? Halten Sie mich für einen so leichtsinnigen .Mann, daß ich in die Welt setze sieben Kinder und ich nicht weiß, ob sie werden haben zu leben? Ob Sie mir's glauben oder nicht, Jungfer Christine, aber ich sage Ihnen, ftir meine sieben Kinder ist gesorgt." Die Pfarrersköchin machte große Augen. Sollte der Jude sich nur so arm stellen und geheime Schätze haben?

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