Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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> «- ''. '-J t -•' '&' -;*■—* <.- ., - iöä Umgestaltung begriffen, durch die es aber nicht geschwächt, sondern gestärkt, nicht untergraben, sondern fortgebaut, nicht vernichtet, sondern gefestigt wurde. Nicht der tote Buchstabe, sondern der lebendige Geist ist es, in dessen Boden es wurzelt, aus dessen Quelle es Lebenskraft schöpft. Ja dieser Monat, — der Monat Kislew, — der ja schon durch die Ruhmesthaten der Makkabäer denkwürdig geworden ist, erinnert uns noch an ein zweites, in gewissem Sinne, noch folgenschwereres Ereignis, durch welches das Judentum am Ziele eines mehrhundertjährigen Entwickelungsganzes stand. Am elften Kislow schied nämlich der Mann aus dem Leben, — dem wir die Erhaltung des Talmud zu verdanken haben, Rabbina II. Wir sagen die Erhaltung — nicht die Abfassung oder den Abschluß desselben, obwohl man dieses als das Werk Rabbina's bezeichnen sollte, denn abgeschlossen wurde der Talmud, wurde die Lehre des Judentums überhaupt nicht. Wie in diesem herrlichen Werke unseres Schrifttums, darin in einer Zeile mehr Geist und Gemüt liegt, als in ganzen langatmigen Büchern, die uns anderswo angepriesen werden, die freieste Meinungsäußerung herrscht, die sich in's Unbegrenzte ausdehnt und am Ende immer noch keine Entscheidung getroffen wird, sondern diese der Prüfung eines jeden überlassen bleibt und so das Werk, so groß es angelegt ist, immer noch der Ergänzung, Fortsetzung zu bedürfen scheint, so ist es mit unserer Lehre überhaupt. Da kann nie ein gänzlicher Abschluß, eine unverrückbare Begrenzung eintreten. Die Bahn ihrer Entwickelung in der Zukunft muß, darf frei bleiben, wenn diese von Männern der Treue und Ehrlichkeit, von Männern der Wahrheit und Wissenschaft geleitet wird. Nein! Das Judentum gewinnt nur dadurch, daß wir von den unbrauchbaren Schäden es läutern, aber es verliert, wenn wir es fälschen, wenn wir sein gediegenes Gold in den Staub werfen und dafür Scheingold geben, dessen Schimmer das Auge der Unwissenden besticht aber um so mehr den Glanz des echten jüdischen Geistes verdrängt. Dem gefälschten Judentum müssen wir, wo und wie es uns begegnet ein Ende machen. Da ist die Zerstörung eine Pflicht, eine Tugend, ein Gebot Gottes, deni wir freudig und eifrig folgen sollen. Laßt uns aus dem Schlummer der Gleichgiltigkeit, aus den Träumen der Einbildung erwachen, laßt uns die Augen öffnen um zu sehen was wahr und was falsch ist, um zu prüfen, was echt und was unecht ist. laßt uns wegschaffen die morschen Mauern, die den Bestand des Judentumgefährden anstatt ihn zu stützen. Die Wahrheit sei unser Führer, das Recht unsere Waffe, die Wissenschaft unser Licht und die Frucht unserer That wird sein der Friede, das Heil des Judentums, die Verherrlichung, der Segen von unierm Gotte. Den Mrüdern in GHristo. Sie haben unsere Schlachten mitgeschlagen, Sie haben unsre Siege miterrungen,