Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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als unerläßliche Bedingung forderten und jene Männer aber derselben nicht zü entsprechen vermochten. Sie beklagten sich darüber, daß sie dem Gebote ihrer religiösen Gefühle nicht nach Wunsch folgen konnten und traten vor Moses und Aharon hin, um für sich entsprechende Abhülfe zu verlangen. „Warum," sprachen sie, „sollen wir von der Wohlthat, die die Religion uns spendet, indem sie die erhabensten Erinnerungen des Volkes heiligt und verewigt, denen sie eben so teuer sind, wie allen unseren Brüdern, ausgeschlossen bleiben, warum soll es uns, da wir ja mit unaussprechlicher Liebe und Treue der Lehre Gottes zugethan sind, versagt sein, derselben durch die Feier dieses Festes, durch eine That heiligenden Gottesdienstes Ausdruck zu geben?" Man sollte meinen, daß bei der unantastbaren Weihe welche auf den Vorschriften des Religionsgesetzes ruht, solche Vorstellungen unberücksichtigt geblieben und man ihnen schon darum keine Folge gegeben hatte, weil darin das Zugeständnis gelegen wäre, daß auch ein im Namen des Ewigen verkündetes Gesetz unvollkommen und mangelhaft sein kann. Doch nein! Man ließ ohne Bedenken den Buchstaben des Gesetzes fallen und kam dem berechtigten Verlangen des Volkes entgegen. Sofort wurde die Einrichtung getroffen, daß alle diejenigen, welche aus irgend einem, wenn auch noch leichteren Verhinderungsgrund an der Feier des Peßachfestes sich nicht beteiligen können, sich einen Monat später vereinigen und dasselbe ganz nach Wunsch und Vorschrift begehen können. Das Ansehen des Gesetzes wurde dadurch nicht erschüttert, indem eine Bestimmung desselben verändert und in seiner Ausübung eine Erleichterung getroffen wurde. Es kommt in diesen Thatsachen, über welche uns die Thora mit aller Klarheit und Offenheit berichtet, ein merkwürdiger Zug unserer Lehre zum Ausdruck und Vorschein. Fälle, wie der hier vorgekommene, haben sich seitdem öfter wiederholt, ja es kamen Zeiten, in denen ein Umfassender Teil des jüdischen Religionsgesetzes nicht mehr konnte aufrecht erhalten werden, entweder gänzlich weichen, oder eine solche Gestaltung aunehmen mußte, daß die Ausübung der religiösen Vorschriften weniger Hindernisse dem Leben, aber desto mehr Befriedigung dem Herzen bereite. Hat etwa das Ansehen, die Festigkeit und Heiligkeit des Judentums darunter gelitten, oder ist nicht dadurch vielmehr seine Lebensfrische, sein Geisteswesen, seine Einwirkung ans Herz und Leben gehoben und gefördert worden? Opfer und Priesterwesen wurden unter den Trümmer» des Zionstempels begraben, aber anstatt des Altarfeuers, das erloschen war, leuchtete in den Herzen die Flamme begeisterten Gottesbewußtseins empor, das in dem seelenvollen Gebete seinen Ausdruck fand. Anstatt daß ftüher Priester an Altären standen, um das tägliche und festliche Opfer darzubringen, standen jetzt Männer des Geistes in ^den Lehrhäusern, die das Licht einer geisterweckenden Wissenschaft immer Heller und reicher erstrahlen ließen. Ja das Judentum war und ist in einer fortwährenden Entwickelung und