Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Tempel — woher? es heißt (Exod. 15, 17): „Die Stätte, welche Du, Ewiger, zu deinem Sitze gemacht hast, das Heiligtum, welches Deine Hände, o Herr gegründet haben"; und die Schrift sagt ferner (Ps. 77, 54): „Und er brachte fie zu seinem heiligen Gebiete, zu diesem Berge, den seine Rechte erworben." — Die Beziehung für diesen in dreifacher Gestalt im Schrifttum vorkommenden Midrasch legt die Bemerkung nahe, welche die Mechilta (Beschallach zu Exod. 15, 16) an ihn knüpft, daß nämlich Israel, das eine Gut des Ewigen in das Land (Palästina), das andere Gut kommen werde, um das dritte Gut, das Heiligtum zu erbauen, um des vierten und fünften Gutes willen, um der Thora und ilm Abrahams, des ersten Verkünders des Monotheismus willen. Sonach war dieser Spruch ein Hoffnungsausdruck für den Aufbau des Heiligtums. Wann aber war er zeitgemäßer, als in den Tagen Barkochba's, da man sich mit der Hoffnung auf die Wiederherstellung eines selbständigen Staates getragen? 11. „Alles in der Welt hat der Heilige— gelobt sei Er! — nur zu seiner Ehre erschaffen, denn es heißt (Jes. 43, 7): „Alles was sich nach meinem Namen nennt, — zu meiner Ehre schuf, bildete und bereitete ich es"; und ferner sagt die Schrift (Exod. 15, 18): „Der Ewige regiert immer und ewig". — Wie aus j. Schek. 5, Id, Joma 38a. ersichtlich, wurde dieses Wort bei einer bestimmten Gelegenheit von den Weisen gesprochen. Die Priesterfamilie Beth-Garmai, welche während des zweiten Tempels die Manipulation bei der Anfertigung des Schaübrotes als Familiengeheimnis bewahrte, und in gleicher Weise die Familie Beth-AbtinaS, welche die Herstellung des Räucherwerks als solches festhielt, wollte sie keinem Fremden lehren und beibringen. Man versuchte es darum einmal mit Kunstverständigen aus Alexandrien, welche die Zubereitung wohl auch kannten, doch nicht ganz so gut und richtig als Jene. Als die Weisen dies erfuhren sprachen sie jenes Wort und meinten wohl damit, daß zur Ehre Gottes auch die Zubereitung des Schaubrotes und des Räucherwerks geschehe und deshalb ganz ohne Tadel und Fehler erfolgen müsse. Und darauf hin wurden denn wieder die genannten Familien, welche nun den doppelten Lohn erhielten» damit betraut. — An unserer Stelle wurde es nur als passendes Schlußwort verwertet. HSaron Meta Atzet über die Ktagemauer in Jerusalem. „Ich war einmal in Jerusalem bei der mächtigen Steinmauer, dem einzigen Überreste des einstigen prachtvollen Tempels König Salomos, als dort traurige, in zerfetzte Kleider gehüllte Männer, den Kopf an die Wand gestützt, andächtig beteten. Ich beobachtete das Gesicht der alten Juden, jenes Gesicht, das Gefühl und Empfindung zum Ausdruck brachte, und horchte auf die Stimme, die gen Hinimel