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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-07-01 · Heft 7 (1.7.1898) · p. Seite 155

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 7 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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- 155 — Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde (Matth. >5, 24). ES ist merkwürdig, wie sich die Hunde für ihren Herrn so sehr ereifern — oder auch nicht merkwürdig! — Das ist der Fortschritt, der Gotteserkenntnis im Neuen Testamente und das ist auch seine höhere Moral! — Was aber wirklich moralisch ist im Neuen Testament, das ist durchweg dem Alten Testamente entnommen. Jesus selbst beruft sich, wie bereits erwähnt, auf das Alte Testament als auf die größte Autorität für ihn, und wenn trotzdem manche Stellen das Gegenteil zu beweisen scheinen, so sind wir vor die Wahl gestellt, den Maschiach des Neuen Testamentes der Jnconsequenz und der Unwahrheit zu zeihe«,'' oder die betreffenden Stellen für unecht zu halten — ein Drittes gibt es nicht. — Wir wollen die betreffenden Stellen näher ansehen. Bei Johannes 13, 34 lesen wir: „Ein neu Gebot gebe ich Euch, daß ihr Euch unter einander liebet, wie ich Euch geliebet habe, auf daß auch Ihr einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß Ihr meine Jünger seid, so Ihr Liebe unter einander habt." — Also nicht einmal die allgemeine Menschenliebe ist hier geboten! Und doch wissen wir, daß die Nächstenliebe gegen alle Menschen von der Thora gelehrt wird. Und wenn manche glauben, daß die Worte der Thora: „Und du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst" sich nur auf Israeliten beziehen, wie sie auch Maimonides (Madda VI, 3) verstanden hat, so ist darauf erstens zu erwiedern, daß Jesus diese Worte auch nicht anders verstanden hat — er cittert sie ja nur. Zweitens aber hat die Thora auch die Liebe zum Fremdling besonders geboten, und das ganze Alte Testament hat wiederholt den Segen aller Völker verkündet und erhofft. — Oder soll vielleicht jene Stelle des Neuen Testamentes von höherer Moralität Zeugnis ablegen, die am häufigsten citiert, aber dennoch unwahr ist? Ich meine folgende: „Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage Euch, daß Ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den anderen auch dar." — Keinem talmudischen Weisen ist es je eingefallen, die Worte Aug' um Auge, Zahn um Zahn wörtlich zu nehmen. Nach uralter Überlieferung bedeutet es nichts weiter, als vollen Schadenersatz, wie ja auch vieles andere in der Thora nicht wörtlich genommen werden kann. Das wußte und weiß noch jetzt jedes jüdische Schulkind! — Andererseits aber hat, soweit bekannt, noch kein Anhänger des Neuen Testamentes sich freiwillig eine zweite Ohrfeige geben lassen, nachdem er die erste bekommen. — Ferner heißt es daselbst: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind Haffen. Ich aber sage euch: Liebet Euere Feinde." — Nirgends im Alten Testament ist das Gebot zu finden, den Feind

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