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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-07-01 · Heft 7 (1.7.1898) · p. Seite 154

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 7 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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.. . — 154 auch zur allgemeinen der Nationalgott der Dagegen sei der Gott erst durch das Neue neu, und was neu, ist nicht gut. — Wenn das Neue Testament nicht voller Widersprüche wäre, so könnte ich mich dieser Aufgabe sehr leicht entledigen, nämdurch den bloßen Hinweis auf Cap. 5, 17 bei Matt, in der sogenannten Bergpredigt, wo es also heißt: Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin. das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage Euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde vergehen wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch Tittel vom Gesetze, bis daß es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird Groß heißen im Himmelreich." — Hier ist doch mit aller Deutlichkeit gesagt, daß das Neue Testament nichts Neues einführen sondern die alte Thora und die Propheten gelten lassen will. Aber das Buch Johannes will uns eines anderen belehren. Dort heißt es (1, 17): „Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jeschua, den Maschiach, worden." — Hier ist also das Neue Testament als etwas anderes, dem Alten Testament gegenübergestellt. Und seitdem ist es Phrase geworden: Der Gott des Alten Testamentes sei Juden, ein Gott der Rache und des starren Gesetzes, aller Menschen, der Gott der Liebe und Barmherzigkeit Testament zur Geltung gekommen. — Glücklicherweise sind wir aber in der Lage, diese Behauptung an der Hand des Neuen Testamentes selbst Lügen zu strafen. Denn gerade die Idee des Messias und des allgemeinen Gottesreiches auf Erden, worauf ja das Neue Testament aufgebaut ist, haben die jüdischen Propheten der Welt geschenkt, und die ersten Blätter der Thora künden von einem Gott des ganzen Weltalls und der gesammten Menschheit. Die Beschränkung der Gottheit auf das eine Volk Israel und die Verachtung der anderen Völker ist nirgends so scharf betont, wie gerade im Neuen Testament. — Da heißt es Mattheus 1b, 5 ff.: „Diese zwölf sandte Jesus, gebot ihnen und sprach: gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte; sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel." Auch Paulus hat sich erst entschlossen, sich mit seiner Heilsbotschaft an die Heiden zu wenden, nachdem er von den Juden ausgelacht wurde, wie die Apostelgeschichte 13, 46 ausführlich erzählt. Jesus selbst spricht von den Heiden mit der größten Verachtung. Er warnet seine Anhänger, wie die Heiden zu beten (Matth. 6, 7, 32), ein unversöhnlicher Mensch soll wie ein Heide und Zöllner angesehen werden (ib. 18, 17). Ja er nennt die Heiden geradezu Hunde. — Ein kanaanitisches Weib flehte ihn um Hilfe an, ohne von ihm einer Antwort gewürdigt zu werden. Seine Jünger baten ihn, das Weib doch abzufertigen, da sie ihnen nachschreie. Er antwortete aber und iprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel.

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