Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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-, l*-».«1' * -V » r V-.. **.'**«** •■ - 'm f-*WJ-: — 153 geschlagen wird. Nur der Glaube macht selig — natürlich an den Maschiach Jeschua den Josef. Und was können Vernunftgründe gegen den blinden Glauben ausrichten? Und dieser Glaube wird ebenfalls mit Worten der heiligen Schrift bewiesen, aber in einer Weise, daß selbst den Stockblinden die Augen sich aufthun müßten! — Weil es von Abraham heißt: er vertraute auf Gott, und er rechnete es ihm zum Verdienste an, folgt daraus für Paulus, daß es überhaupt kein anderes Verdienst giebt, als das des Glaubens! Daß aber gerade Abraham das Bundeszeichen für sich und seine Nachkommen eingeführt hat, daß gerade von Abraham gerühmt wird, er habe die Gebote und Gesetze Gottes beobachtet — das existiert für Paulus nicht! — Ferner. Im 5. Buche Moses (30, 11—16) ist Folgendes zu lesen: Dennn dieses Gebot, das ich Dir heilte gebiete, ist Dir nicht verborgen und nicht fern. Es ist nicht im Himmel, daß Du sagest: Wer steigt für uns in den Himmel und holt es uns und macht es uns kund, daß wir es thun. Und es ist nicht jenseit des Meeres, daß Du sagest: Wer reist für uns jenseit des Meeres hin und holt es uns und macht es uns kund, daß wir es thun, sondern sehr nahe ist Dir die Sache, in Deinem Munde und in Deinem Herzen, es zu thun. — Aus diesen schönen, schlicht poetischen Worten hat Paulus Folgendes gemacht: Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht also: Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren? das ist nichts anderes, denn Christus herabholen. — Oder wer will hinab in die Tiefe fahren? das ist nichts anderes, denn Christum von den Toten holen. Aber was sagt sie? Das Wort ist Dir nahe, nämlich in Deinem Munde und in Deinem Herzen. Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. (Röm. 10, 6—8). — Die Worte unserer heiligen Religion sind wahrlich genug gedreht und gedeutet worden, aber das Kunststück hat noch keiner fertig gebracht, aus ihnen gerade das Gegenteil herauszulesen von dem, was sie besagen, tote es Paulus hier gethan hat! Aber je schwächer seine Gründe, je haltloser seine Theorie, welche Grätz mit Recht äußerst konfus nennt, desto hartnäckiger und beharrlicher suchte Paulus den blinden Glauben mit sophistischen Gründen zu verteidigen, und die Thora, das mosaische Gesetz, außer Geltung zu bringen. Dieses führt uns aber zum zweiten Teil unserer Aufgabe, nämlich die Abhängigkeit des Neuen Testament vom Alten Testamente in religiös-sittlicher Beziehung darzustellen. — Gar oft bekommen wir es von Feind und Freund, ja sogar von unfern Brüdern zu hören, das Christentum bedeute einen Fortschritt gegen das Judentum, indem die religiösen Vorstellungen des ersteren reiner und seine moralischen Grundsätze edler wären als im Judentum. — Worauf beruht aber diese Behauptung? Auf nichts anderem als auf Blendwerk und Unwissenheit! Ich schmeichle mir, Sie von der Richtigkeit des Satzes, den ich schon vor sechs Jahren öffentlich ausgesprochen, zu überzeugen: Alles was im Neuen Testament gut, ist nicht