Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 ebenso erkennen wie die Juden und aus beiden Lagern von Juden und Christen viele bereit sein werden, Jesus zu betrachten und anzuerkennen als einen „von Gott berufenen Glaubenshelden". Der Verfasser schließt seine beachtenswerten Ausführungen, die geeignet sind das Interesse der weitesten gebildeten Kreise zu erregen mit der Meinung, daß, wenn in den wichtigsten Fragen, welche bisher die Trennung zwischen Juden und Christen bewirkten, bei vielen von beiden Lagern dieselbe Anschauung vorhanden auch eine vollständige Einigung der bisher äußerlich Getrennten nicht so schwer sein werde. Wenn von beiden Seiten hiefür der Wille vorhanden sein wird, dann wird sich für diese neue Bewegung auch leicht eine geeignete Form und ein geeigneter Name finden und so könnte der große und hohe Berg, mit welchem Herr Hillel den 1800jährigen Zwist zwischen Christen und Juden vergleicht nach der von beiden Seiten gelungenen Durchbohrung, durch Eröffnung eines verbindenden Tunnels aufhören, eine Hemmung für die gegenseitige Annäherung und Einigung zu sein. Aus einer solchen vom Glauben getragenen Bewegung, die innerhalb des entwicklungsfähigen Judentums allein nur möglich ist, ohne seine Grundlagen zu zerstören und aus dem Zusammenschluß der aufgeklärten Juden und Christen kann eine Religion der Zukunft hervorgehen, die Frieden, Versöhnung und Verbrüderung schafft. Der Verfasser schließt seine Ausführungen mit den Worten Göthes (Israel in der Wüste Bd. 4. S. 264): Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und Glaubens. Alle Epochen, in welchen der Glaube herrscht, unter welcher Gestalt er auch wolle, sind glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mit- und Nachwelt. Alle Epochen dagegen, in welchen der Unglaube, in welcher Form es sei, einen künstlichen Sieg behauptet, und wenn sie auch mit einem Scheinglanze strahlen sollten, verschwinden vor der Nachwelt, weil sich niemand gern mit Erkenntnis des Unfruchtbaren abquälen mag. Me Abhängigkeit des Neuen Testamentes vom Allen Testamente. Von Dr. I. Kahan, Rabbiner in Waidhofen a, Th. Vortrag, gehalten den 5. Februar 1898 in der Jüd. akad. Lesehalle in Wien. (Schluß.) Aber seine Anhänger ließen trotzdem den Mut nicht sinken. Sie haben sich eine Theorie zurechtgelegt, wonach jeder Zweifel und jedes Bedenken nieder-