Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969859--5428-2974729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fi.vryp^:-ryyffwy^- — 151 — nicht aufgebaut. Die Vertreter der sogenannten „ethischen Kultur" übersehen es, daß ihre Gedanken in bisher an Form und Inhalt unerreichter Weise schon in der Bibel ausgesprochen sind. Durch die Weglassung des Gedankens an eine höhere Macht wird das Streben nach Tugend nicht mehr gefährdet werden. Die Religion als Ethik, Pflichterkenntnis verbunden mit Pflichterfüllung, muß gestützt und gefördert werden, durch den Glauben an eine waltende höhere Macht, die wir Gott nennen. Das Widerstreben der Juden gegen die Annahme der Religionen der Heiden- Christen und Mohamedaner ist begründet durch die Überzeugung daß die jüdische Religion, weil sie eine Weiterbildung zuläßt jeder andern unbedingt vorzuziehen sei. In einem sechsten Abschnitt wird nachgewiesen, daß die jüdische Religion, die von einer kirchlichen Organisation unabhängig ist eher im Stande sei sich von ihren Schlacken zu befreien als die christliche Konfession. Und die jüdische Religion, von einem Teil ihrer Schlacken befreit, ist die Religion, welche von Jesu gelehrt wurde, welche aber nur eine sehr kurze Zeit von seinen Anhängern aufrecht erhalten werden konnte. Der Grundgedanke des Judentums ist die Heiligkeit Gottes und die Verpflichtung und Befähigung des Menschen dieser Heiligkeit nachzustreben. Das Christentum teilt diesen Glauben mit dem Judentum, legt aber den Schwerpunkt des Gottesbegriffs in die Persönlichkeit Jesu, was von ihm selbst nicht beabsichtigt wurde. Das Judentum war nicht im Stande zu missionieren und es war das große Verdienst des Juden Paulus nach dieser Seite gewirkt zu haben. Die Juden aber können das Christentum nur als Interregnum betrachten, so lange als die im neuen Testament enthaltenen heidnischen Zugaben bestehen bleiben und anerkannt werden. Durch die Anerkennung Jesu als göttliche Persönlichkeit und durch Verzicht auf das jüdische Gesetz, wurde der Grundgedanke des Judentums den heidnischen Völkern zugänglich gemacht, wodurch sich die Juden selbstverständlich von der neuen, sogenannten christlichen Religion trennen mußten. Es muß jetzt eine Reform der verschiedenen Konfessionen angestrebt und der Versuch gemacht werden eine Brücke zu schlagen, welche Gleichgesinnte aus verschiedenen Konfessionen zusammenführt zu dem Zwecke, durch die Religion Versöhnung Frieden und Einigkeit zu erstreben und es muß eine ernstliche Versöhnung zwischen Judentum und Christentum angestrebt werden. Nachdem vor 1800 Jahren das Festhalten des jüdischen Volkes an den jüdischen Gesetzen und Gebräuchen und die Zurückweisung derselben von Seiten der Heiden den ersten Grund der Trennung bildeten, wird dieser durch den jetzt statthaften, freiwilligen und prinzipiellen Verzicht auf die absondernden Eigenheiten aufgehoben. Nachdem ferner die Unmöglichkeit der Anerkennung des leiblichen Gottessohnes einerseits und die Unmöglichkeit der Heiden die unsichtbare Gottheit zu erkennen anderseits, den zweiten Grund zur Trennung gab, wird auch dieser hinfällig, da die jetzigen Christen die Nachkommen der Heiden, diesen Gottesbegriff