Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 149 — furt a. M. eine Schrift von Karl Hillel erschienen, die geeignet ist in unserer von Haß und Kampf durchwühlten Zeit, in der die Geister heftig gegen einander stürmen, wohlthätig auf weite Kreise der Gebildeten unter den Juden und Christen zu wirken. Der Verfasser, ein auf dem Gebiete der Geschichte der Religionswissenschaften vielbelesener und vom Glauben an Gott und an die segensvolle Mission der Religion erfüllter Mann, unternimmt es, seinen aus ehrlicher Gesinnung und tiefer Überzeugung stammenden Auffassungen und Meinungen Ausdruck zu geben, die — wir zweifeln nicht daran — in den weitesten Kreisen Beachtung finden werden. Wir lassen hier einen uns aus dieser Schrift zugegangenen Auszug unverkürzt folgen: In einen: ersten Abschnitte wird darauf hingewiesen, daß es unter den Juden viele giebt, welche auch in religiöser Beziehung eine Einigung mit' ihren christlichen Mitbürgern herbeisehnen und zu diesem Behufe eine Brücke suchen, welche sie über die vorhandene trennende Kluft führt. Das jetzige Christentum ist in seinen Dogmen und Glaubenslehren in keiner Weise geeignet die Juden zu einem Übertritte zu bewegen. Es niüßten, wenn im Christentum alles bleibt wie es ist, die Juden für alle Zeiten durch eine unüberbrückbare Kluft von den christlichen Glaubenslehren getrennt und ihre religiöse Absonderung von den Christen dadurch eine permanente bleiben. In einem zweiten Abschnitt tritt der Verfasser dem Zionismus, der die Judenfrage lösen will, entgegen. Die allermeisten Juden in den Kulturstaaten haben auch nicht die allerentfernteste Absicht nach Palästina zurückzukehren und ist ihnen, wenn gar durch den Zionismus die Möglichkeit der vollständigen Erfüllung des jüdischen Gesetzes in Aussicht gestellt wird, derselbe desto weniger erwünscht, da dasselbe von ihnen als eine iin Prinzipe vollständig erledigte und daher ad acta zu legende Sache angesehen wird. Beiläufig bemerkt der Verfasser, sind auch diejenigen, welche sich an den Inhalt der Bibel als „göttliches Wort" halten außerhalb Palästinas durch den Wortlaut des Gesetzes von dessen Befolgung entbunden, mit Ausnahme der zehn Gebote, welche für alle Zeiten giltig sind (Vgl. Deut. 6, 1). Die Beobachtung dieser Bruchstücke (des Gesetzes) meint der Verfasser hat mit dem Glauben gar nichts zu thun und er nennt sie eine persönliche Absonderungsliebhaberei. Zur Sabbatheiligung übergehend, meint der Verfasser: Gott hat befohlen sechs Tage zu arbeiten, und am siebenten zu ruhen, wobei vielleicht noch vielmehr Nachdruck gelegt wird auf die sechstägige Arbeit als auf das Ruhen. Jedenfalls sei es ganz gleichgültig, ob der Ruhetag Samstag oder Sonntag heißt, da die Reihenfolge und Benennung der sieben Wochentage ganz gleichgültige und nebensächliche menschliche Anordnungen sind. Demnach sei das Beharren am Samstag auch nur eine persönliche Absonderungsliebhaberei, die mit der Religion und dem Judentum in keinerlei Verbindung steht. Im Allgemeinen ist der Verfasser der Ansicht, daß solange die principielle Anerkennung des jüdischen Gesetzes und aller daraus hervorgehenden Gebräuche