Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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■IPPBP — 133 — Zeit Rabbi Josua's, der ein Zeitgenosse des Rabbi Gamliel III ben Rabbi Zehuda Hannassi und des Rabbi Chanina war, wohl das Studium der Mischna zu verstehen ist, so wollte wahrscheinlich dieser Aggadist, der von einem späteren Verächter der Aggada gleichen Namens zu unterscheiden ist (s. Weiß a. a. O. III 60), mit diesem seinem Spruche das Studium der Mischna „Rabbi's" empfehlen und denjenigen als Gottverwiesen (nasal) bezeichnen, welcher dieselbe nicht als die maßgebende Mischnasammlung betrachtete. Gehörte er doch selbst in erster Reihe zu denen, welcher diese Sammlung vor allen Andern anerkannt und die „eiserne Säule" genannt hat (Waj. rabb. XXI). 3. „Wer von seinem Genossen nur einen Abschnitt, ein Gesetz, einen Satz, einen Ausspruch, selbst nur einen einzigen Buchstaben lernt, der muß ihm Ehrerbietung erweisen, denn so finden wir es bei David, dem Könige Israels, der von Achitophel nur zweierlei Dinge gelernt und ihn darum Lehrer, Freund und Vertrauter genannt hat, wie es heißt (Ps. 55, 14): „Du ein Mensch meines Wertes, mein Freund und Vertrauter." Da ist fürwahr ein Schluß zu ziehen vom Schwereren zum Leichteren: Wenn schon David, der König von Israel, der von Achitophel nur zweierlei Dinge gelernt, ihn Lehrer, Freund und Vertrauter genannt. — um wie viel mehr muß Jemand, der von seinem Genossen einen Abschnitt, ein Gesetz, einen Ausspruch oder auch nur einen Buchstaben lernt, ihm Ehrerbietung erweisen! — Ehrerbietung erheischt aber nur die Thora (a. L. „gebührt nur den Weisen"), denn es Heißt (Spr. 3, 35. 28, 10): „Ehrerbietung erben die Weisen, und die Tadellosen erben Gutes." „Gutes" aber bedeutet nur die Thora, denn es heißt (Spr- 4, 2): „Denn eine gute Lehre habe ich Euch gegeben, meine Thora verlasset nicht!" Mit der Forderung von Ehrerbietung gegen die Studiengenossen scheint dieser Spruch sich an den Amora Rabbi Jochanan, den Zeitgenossen des Rabbi Jehuda Nessioh II zu wenden, welcher keinerlei Widerspruch seiner Kollegen duldete und ertrug, sodaß er darüber zornig und in seinem Zorne rücksichtslos werden konnte. So geschah es ihm beispielsweise, daß er seinem Studiengenossen Rabbi Simon ben Lakisch gegenüber jede Rücksicht vergaß und ihn an seine Jugendsünde erinnerte, um ihn zum Schweigen zu bringen, — eine Rücksichtslosigkeit, welche die Erkrankung und den Tod des so beschämten Genossen zur Folge hatte (Thaanith 9. Weiß, a. a. O. III, 76). Das war nichts weniger als die rechte ehrerbietige Art, einem Gelehrten und Studiengenossen zu begegnen, an welche das herrliche Beispiel Davids gegen Achitophel mahnt, und mit einer Schlußfolgerung äs majore ad minus wird die Art Rabbi Jochanans gegeißelt, der überdies gegen besseres Wissen gehandelt, sofern er selber in einer Aggada auf das herrliche Beisyiel Davids, wenn auch in anderer Fassung hingewiefen (vgl. Synh. 106 b.). 4 a. „So ist der Weg zur Thora: Brod mit Salz iß, Wasser trinke nach