Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Me Sprüche der Wäter und ihre historischen Beziehungen von Rabbiner Dr. Fried mann in Lublinitz. VI. 1—2 a. „Es lehrten die Weisen in der Sprache der Mischna: — Gelobt sei, der sie und ihre Lehre erkoren hat —: Rabbi Meir sagt: Wer sich mit der Thora um ihrer selbst willen beschäftigt, erlangt vielerlei Dinge, ja die ganze Welt gehört ihm. Er wird Freund, Gelehrter genannt, er liebt Gott, er liebt die Menschen; sie (die Thora) kleidet ihn mit Demut und Gottesfurcht, sie befähigt ihn, gerecht, liebevoll, rechtschaffen und treu zu sein, sie hält ihn von der Sünde fern und leitet ihn zur Tugend, sodaß man durch ihn Rat, Hülfe, Einsicht und Macht genießt; denn es heißt (Spr. 8, 14): „Mein ist Rat und Hülfe, ich bin die Einsicht, mein ist die Macht." Sie verleiht ihm königliche Gewalt, Herrschaft und die Fähigkeit, das Recht zu erforschen, und man offenbart ihm die Geheimnisse der Lehre; er wird gleich einer unaufhörlich sprudelnden Quelle und einem mächtig reißenden Strome; er ist bescheiden, langmütig und Schmach vergebend. So macht sie (die Lehre) ihn groß und erhaben über alle Geschöpfe." — Diese Lobrede auf die „Lehre" aus dem Munde Rabbi Meirs, nach welcher der ganze sechste Abschnitt, der nicht mehr zur eigentlichen „Mischna" gehört, neben den Namen Perek Kinjan Hathora und Borajtha der — Aboth auch den Namen Perek Rabbi Meir führt, — sie ist ein Ausfluß der Erkenntnis, daß sein Lehrer und Freund Elischa ben Abuja (vgl. zu 3, 11. 4, 3. 9. 10) nur deshalb zu Jrrtümern, Zweifeln, Schuld und Sünde gelangt war, weil er sich nicht mit der Lehre um ihrer selbst willen beschäftigt (s. Weiß a. a. O. II, 147), und weil er es nicht tragen mochte, daß sein Genosse und Gegner R. Akiba zu größerem Ansehen gelangte als er. 2 b. „Es sagte Rabbi Josua, der Levite: Tag für Tag ergeht eine Himmelsstimme vom Berge Choreb, die verkündet und spricht: Wehe den Geschöpfen, welche die Thora schmähen, denn wer sich nicht mit der Lehre beschäftigt, wird ein (von Gott) Verwiesener genannt, denn es heißt (Spr. 11, 22): „Ein goldener Ring im Rüssel des Schweines ist — ein schönes Weib, ohne Verstand;" ferner sagt die Schrift (Exod. 32, 16): „Und die Tafeln, —' ein Werk Gottes sind sie, und die Schrift, — eine Schrift Gottes ist sie, eingegraben in die Tafeln": lies (in diesem Satze) nicht „charuth“ („eingegraben"), sondern „cheruth“ (d h. Freiheit), denn es giebt keinen Freien, als wer sich mit dem Gesetzesstudium beschäftigt, der wird erhöht, denn es heißt (Num. 21, 19): „Und von „mathana“ (d. h. Gabe) nach „nachliel“ (d. h. Gotteserbe), und von „nachliel“ nach „bamath“ (d. h. Höhen)." — Wie unter Thora im weiteren Sinne oder unter Thalmud-Thora zur