Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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129 eine solche zu bezeichnen, die ihrer Erfüllung noch harrt, da weder sämtliche Söhne Levis geläutert sind, noch auch der Friede zwischen Vätern und Kindern überall hergestellt ist. Das neue Testament ist aber anderer Meinung. Ein gewisser Jochanan, griechisch Johannes, so wird erzählt, habe das Volk zur Buße aufgefordert, weil das Gottesreich gekommen sei. Er habe auch viele zum Zeichen ihrer Buße ein Tauchbad im Jordan nehmen lassen, weshalb er auch der Täufer genannt worden sei. Und dieser Johannes sei kein anderer als der erwartete Prophet Elia gewesen? Es ist aber nicht bekannt worden, ob irgend ein Sohn Levis durch ihn geläutert, und ob in irgend einer Familie durch ihn der Friede hergestellt wurde!-Der Vorläufer des „Maschiach" ist sehr zweifelhaft bezeugt. — Aber nun zum „Maschiach" selber! Wer als „Maschiach" auftrat, mußte sich als Nachkomme „Davids" ausweisen. Das neue Testament thut es auch von seinem Helden, aber in eiuer Weise, die jeden stutzig machen muß. Zweimal ist je ein Geschlechtsregister aufgestellt, aus welchem hervorgebt, daß Josef, welcher für seinen Vater gehalten wurde, von David abstammt, aber diese Geschlechtsregister stimmen mit einander nicht überein. Das eine Mal ist Salomo der Stammvater und das andere Mal ist es sein Bruder Nathan. Ein Geschlechtsregister muß also erdichtet sein, vielleicht sind sie es beide. Aber auch ohne die Widersprüche ist es nicht abzusehen, wie jemand ein Nachkomme Davids sein kann, wenn nur sein angeblicher Vater von David abstammt! — Die Geburt Jeschuas von einer Jungfrau begründet Matheus folgendermaßen : „Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären und sie werden seinen Namen Immanuel heißen, das ist verdolmetschet, Gott mit uns. — Wer nun die Quelle nicht kennt, ist wirklich der Meinung, daß dieses wichtige Dogma des neuen Testaments von einem jüdischen Propheten begründet wurde. Aber glücklicherweise sind wir in der Lage, den betreffenden Propheten nämlich Jesaja, nachzuschlagen, wo Folgendes erzählt wird: Achas, König von Inda um 750 vor Christi, wird von den verbündeten Königen Rezin und Pekach bedrängt und ist ganz mutlos darüber. Der Prophet Jesaja sucht ihm Mut einzuflößen und verspricht ihm Gottes Beistand. Damit er aber ganz ruhig sein könne, möge er sich ein Zeichen vom Herrn erbitten. Achas lehnt das ab. Da ruft der Prophet in seinem Eifer: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die junge Frau (haalma) wird schwanger und einen Sohn gebären und sie wird nennen seinen Namen Immanuel, denn ehe der Knabe lernt Böses verwerfen und Gutes erwählen, wird das Land entvölkert sein, vor dessen zwei Königen dir graut." — Es ist klar, daß diese Geburt des Kindes zur Zeit des