Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Königs Achas erfolgen sollte, nicht aber 750 Jahre später. Außerdem heißt „almah" im Hebräischen keineswegs Jungfrau, sondern kräftige, mannbare Frau, ob verheiratet oder nicht. Wahrscheinlich ist damit die Frau des Propheten gemeint. Und aus dieser jungen Frau hat nun das Neue Testament die Jungfrau Maria gemacht, und wir nehmen mit Erstaunen wahr, daß einer der wichtigsten Glaubenssätze des Neuen Testamentes auf der falschen Übersetzung des hebräischen Wortes „almah'' beruht! — Noch größer wird unser Erstaunen, wenn wir sehen, wie das Neue Testament sich auf Stellen des Alten Testaments beruft, die gar nicht existieren! So erzählt Mathäus, Josef sei mit seinem Kinde nach der Stadt Nazaret gezogen, damit erfüllet werde das Wort, das gesagt wurde durch die Propheten, er wird Nazaräer heißen. — Kein Mensch weiß von einem solchen Ausspruch der Propheten. Um sich aber aus der Verlegenheit zu helfen, verweisen die christlichen Gelehrten auf das Buch der Richter 13, 5. Hier heißt es nämlich: denn ein Nasir Gottes wird der Knabe sein vom Mutterleibe. Allerdings heißt N a s i r nicht von Nazaret, sondern ein Geweihter, und gemeint ist auch nicht der „Maschiach," sondern — Simson. Zu guterletzt ist noch nachgewiesen worden, daß eine Stadt Nazaret niemals existirt hat. — Ebenso auffallend ist die Berufung auf das alte Testament in folgender Stelle: Aber ich sage euch, daß auch Elia gekommen ist, und sie haben mit ihm gethan nach ihrem Willen, wie von ihm geschrieben steht. Das bezieht sich auf Johannes den Täufer, der hingerichtet wurde. Aber in der heiligen Schrift ist keine Spur davon, daß der wiederkommende Elia getötet oder mißhandelt werden soll. Ein Gelehrter ist gar auf den Einfall gekommen, diese Stelle bezöge sich auf eine verloren gegangene Schrift — aber das klingt schon mehr nach der muhammedanischen Beweisfühmng! — Wir werden noch im zweiten Teil unserer Betrachtung Gelegenheit haben, gar manche nlerkwürdige Bezugnahme auf die heilige Schrift kennen zu lernen. Und doch sind das die vornehmsten Grundlagen für den Glauben, daß Jeschua ben Josef der erwartete „Maschiach" sei! Allerdings soll er viele Wunder verrichtet haben, um seine Echtheit zu beweisen. Aber selbst diese Wunderberichte sind nichts weiter als sehr schwache Copien der Wunderberichte im alten Testament und drängen sich jedem Kundigen von selbst als solche auf. — Die Propheten Elia und Elisa haben Kranke geheilt, Tote erweckt, Hungrige gespeist — der Held des neuen Bundes hat dasselbe gethan, ihm war alles sozusagen ein Kinderspiel! Der Prophet Jona war im Bauche des Fisches drei Tage und drei Nächte — der „Maschiach" leistet noch mehr, denn er wird im Herzen der Erde drei Tage und drei Nächte verweilen (Matth. 12, 40). Allerdings stimmt das nicht mit dem späteren Bericht, daß er im Grabe nur von Freitag Nachmittag bis Sonntag ftüh geblieben ist. Zudem haben wir bereits erwähnt, daß er selbst seine Auferstehung nicht als vollgültigen Beweis seiner Messianität an-