Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 diesbezüglich zu Gott emporsenden, eine nur symbolische Bedeutung beigelegt. — Aber genug, im letzten Jahrhundert vor der zweiten Tempelzerstörung war die Hoffnung bei den Juden verbreitet, daß ein Nachkomme Davids als gesalbter König „Maschiach", auftreten würde, um die Juden zunächst von den übermächtigen Römern zu befreien, und sodann das verheißene Reich Gottes zu begründen. — Dieser erwartete gesalbte König, so behaupteten einige meist ungebildete Juden, sei in der Person des Jeschua ben Joseph bereits erschienen und habe das Reich Gottes begründet. Vier Bücher in griechischer Sprache erzählen die Geschichte dieses Jeschua in der Weise, daß die drei ersten, nach Matthäus, nach Markus und nach Lukas, aus einer Quelle geschöpft zu haben scheinen und daher die Synoptiker genannt werden, während das vierte nach Johannes ganz eigene Wege geht. — Sie alle suchen aus der heiligen Schrift der Juden zu beweisen, daß bei ihrem Helden die auf den „Maschiach" bezüglichen Verheißungen alle eingetroffen sind. Ja, er selbst habe nach seiner Auferstehung nach dem Tode, dieses Wunder der Auferstehung keineswegs für genügend gehalten, um ihn als den erwarteten „Maschiach" zu beglaubigen. Er suchte vielmehr nach der Erzählung des einen Buches „Nach Lukas" genannt 24, 27. 44 zu beweisen, daß die bezüglichen Worte von Moses, den Propheten und den Psalmen bei ihm eingetroffen wären. — Da nun somit der verheißene neue Bund Gottes mit den Menschen geschlossen wurde, so nennen die Anhänger dieses neuen Bundes diese vier Bücher, welche darüber berichten und einige Schriften dazu, nämlich die Apostelgeschichte, mehrere Briefe der Apostel und ein mystisches Buch, die Apokalypse — die Bücher des neuen Bundes, oder schlechtweg den neuen Bund, das neue Testament, während die Schriften, welche den alten Bund Gottes mit Israel zum Inhalt haben, das alte Testament genannt werden.— Da nun dieses neue Testament zur Beglaubigung seiner Berichte und zur Bekräftigung seiner Lehren immerwährend sich auf das alte Testament beruft, so dürfen wir wohl von einer Abhängigkeit des neuen Testaments vom alten sprechen, und es soll nun unsere Aufgabe sein diese Abhängigkeit näher zu beleuchten, und zwar in doppelter Hinsicht: erstens in dogmatischer, und dann in religiös-sittlicher Hinsicht. — Die dogmatische Seite des neuen Testaments läßt sich mit dem einen Wort „Maschiach" bezeichnen. Das ist das Alpha und das Omega des neuen Testaments in seinen Berufungen auf das alte Testament zu beweisen, daß sein Held Jeschua ben Josef der wirklich verheißene und erhoffte „Maschiach" sei. — Zweitens aber wird teils vom neuen Testament selbst, teils von seinen Bekennern die Behauptung aufgestellt, daß mit dem neuen Testament eine höhere religiöse Sittlichkeit in die Welt gekommen sei als sie vom alten Testament gelehrt wird — und dies soll den zweiten Punkt unserer Betrachtung bilde». — Es würde aber die Grenze eines Vortrags weit überschreiten, wollten wir sämmtliche Stellen des neuen Testamens, welche sich direkt oder indirekt auf