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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-06-01 · Heft 6 (1.6.1898) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 6 (1.6.1898)
Date
1898-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 merzt! — Gegen eine solche Behauptung, so widersinnig sie auch ist, läßt sich wissenschaftlich schwer ankämpfen. — Allerdings bleibt es demnach jedem Abenteurer unbenommen, sich auf dieselbe Weise durch den — Koran legitimiren zu lassen! — Anders das Christentum. Der Stifter sowohl, wie die ersten Verbreiter des Christentums, die Apostel waren nicht nur geborene Juden, sondern auch gläubige Juden, und sie haben nichts unternommen, was nicht nach ihrer Meinung durch die Urkunden des Judentums, durch die heilige Schrift, geboten und bestätigt erschien. Alles was sie predigten, suchten sie durch die heilige Schrift zu beweisen. Die von ihnen berichteten Begebenheiten sind gewöhnlich von den Worten begleitet: damit erfüllet werde, was geschrieben steht, oder nur: wie geschrieben steht, nämlich in der heiligen Schrift der Juden.— Daniit haben sie aber unwillkürlich die Berechtigung einer Kritik ihrer Lehre zugegeben. Denn gehört der Glaube in den Bereich des Gemüts, so gehört der Beweis in den Bereich des Verstandes. Kann ich auch etwas glauben, was ich nicht begreife, so muß ich doch begreifen, was bewiesen wird. Mag auch das bekannte Wort des Kirchenvaters Tertullian: orsäo quia absurdum, ich glaube es, weil es widersinnig ist, seine Berechtigung haben, hört dies mit dem Momente auf, sobald der Glaube unter Beweis gestellt wird — da muß der Beweis auch beweiskräftig, überzeugend sein, sonst aber hat er den Zweck verfehlt. — Was lehrten aber die Begründer des Christentums und was suchten sie zu beweisen? Die Antwort ist kurz gegeben durch die Bezeichnung der Religionsurkunden der Juden und Christen mit Altes und Neues Testament. In den heiligen Schriften der Juden ist die Religion dargestellt als Bund Gottes mit Abraham und seinen Nachkommen, dem Volke Israel. Bund heißt im Lateinischen „lostarnsuturn". Aber dieser Bund sollte nach der Verkündigung mehrerer Propheten nicht auf Israel bestehen bleiben, er sollte vielmehr in unbestimmt ferner Zeit — am Ende der Tage — auf alle Völker der Erde ausgedehnt werden. Alle Menschen sollten des Segens teilhaftig werden, der von der Religion, von dem Glauben an einen Gott, der ein gütiger Vater aller Menschen ist, hervorgeht. Kein Krieg sollte mehr die Menschen zerfleischen, kein Haß ihr Herz verbittern, sondern brüderliche Liebe und wahre Gotteserkenntnis alle Menschen zu Einer glücklichen Familie im neuen Reiche Gottes — „Malchuth Schamajim", wie der talmudische Ausdruck dafür lautet — vereinen. Gott würde zu dieseui Zwecke gewissermaßen einen neuen Bund mit den Menschen schließen. — Es soll jetzt nicht untersucht werden, ob die Anschauung berechtigt war, daß diese glückliche Zeit, dieses Reich Gottes von einem Nachkommen Davids, von einem gesalbten König — „Melech hammaschiach" — begründet werden wird. Sagte doch ein talmudischer Weiser, Israel habe keinen „Maschiach" zu erwarten. Und hat doch Herr Oberrabbiner Güdemann allen Gebeten, welche wir täglich

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