Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1898)
- Date
- 1898-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969858--5401-2974701- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 verfolgt und wir haben gesehen, wie es der Fluch der bösen That ist, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Wir können darum heute an einem religiöspolitischen Festtage der Vorsehung nicht genug danken, daß ein Land unser Vaterland ist, in welchem Gottesfurcht herrscht, in welchem darum die Ehre herrscht, in welchem darum die Wahrheit herrscht, in welchem darum das Recht herrscht, in welchem darum der Friede herrscht. Und wir haben der Vorsehung heute als Kinder des bayerischen Vaterlandes noch mehr zu danken, daß sie zum Herrn unseres Landes einen Mann bestellt hat, in welchem alle diese der Religion und dem Staate gemeinsamen Ideale verkörpert erscheinen: die Gottesfurcht, die Wahrheit, das Recht und der Friede. Am meisten aber haben wir heute als Israeliten der Vorsehung zu danken, nachdem uns erst kürzlich die Aeußerung aus dem Munde unseres Prinzregenten bekannt geworden, daß er in seinein Lande keine Juden und keine Nichtjuden kennt, sondern nur Bürger, die alle, gleichviel welchem Bekenntnisse sie angehören mögen, alle seinem landesväterlichen Herzen gleich nahe stehen. Ihm wollen wir ein Denkmal aufrichten, dauernder denn Erz und Stein, ein Denkmal in unserer Gesinnung und in unserem Herzen: „Dann wird auch der Herr seinen Segen geben und unser Land wird seine Frucht geben." Die Abhängigkeit des Menen Testamentes vom Allen Testamente. Von Dr. I. Kah an, Rabbiner in Waidhofen a. Th. Vortrag, gehalten den 5. Februar 1898 in der Jüd. akad. Lesehalle in Wien. . Hochgeehrte Anwesende! Die beiden großen Weltreligionen, das Christentum und der Islam sind nicht nur aus dem Judentum hervorgegangen, sie haben nicht nur die wichtigsten Lehren und Einrichtungen des Judentums zu den ihrigen gemacht, sondern beide, das Christentum und der Islam, haben zum Beweise ihrer Wahrheit sich auf die heiligen Schriften der Juden berufen — so unerschütterlich fest stand den Stiftern beider Weltreligion die Wahrheit des Judentums, daß sie beide glaubten, keinen Anspruch auf Anerkennung erheben zu dürfen, wenn sie sich nicht durch das Judentllm als wahre Religion legitimiren könnten. — Muhammed, der Stifter des Islam, hat es auf eine sehr eigentümliche, ja originelle Weise gethan. Da nämlich in der heiligen Schrift schlechterdings keine Spur von einem Propheten Muhammed zu finden war, so stellte er die Behauptung auf, die Anden hätten sämmtliche Stellen, welche sich auf ihn bezögen, aus ihren heiligen Schriften ausge-