Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1898)
- Date
- 1898-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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<rw-/ — 115 — Oberlehrer am Lehrersaminar und Reservelieutenant Schmidt mit einigen Kollegen ein, dessen provozierendes Benehmen bald einige Gäste zum Verlassen des Saales veranlaßte, darunter auch das Mitglied des Stadtrats, Hermann Reis, der auf Einladung des Bürgermeisters der Feier beigewohnt hatte. Durch die offene Thür hörte dieser, wie der Herr Reservelieutenant und Oberlehrer ausrief: „Wie kann ein solches Judenpack sich in diese Gesellschaft eindrängen, Juden sollten gar nicht zu einer Geburtstagsfeier des Kaisers zugelassen werden". Reis, der den Feldzug 1870/71 mit Auszeichnung mitgemacht hat, ging in den Saal zurück und forderte Herrn Schmidt auf, seine Worte zurückzunehmen. Dieser that dies nicht, worauf ihn Reis einen unverschämten Menschen nannte. Als Antwort schlug Schmidt mit einem Stuhle auf Reis los, der Hieb wurde jedoch mit einem andern Stuhle pariert, und nun packte der Veteran den Herrn Reservelieutenant am Kragen und würde ihm eine handgreifliche Lektion gegeben haben, wenn nicht die Kollegen des Herrn Oberlehrers die Kämpfer auseinander gebracht hätten. — In $ erlitt starb Herr Geheimrat Julius Schwabach, Chef des Hauses Bleichröder. Er gehörte der jüdischen Reformgemeinde als treues Mitglied an. Bei seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich die Spitzen der Gesellschaft und ließ sich auch der Kaiser vertreten. Die Gedenkrede hielt Herr Dr. Klemperer. — Im Mendelssohn-Verein in Uilitsch hielt Herr Rabbiner Dr. Chodowski aus Oels einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über den Talmud. — Der König von Italien hat Herrn Dr. A. Kerlinrr in Kerlin das Großkreuz des Kronenordens in Anerkennung der Forschungen verliehen, die der Gelehrte speciell über die Geschichte der Juden in Rom veröffentlicht hat. — Alberti Franchetti der auch in Deutschland bekannte Komponist der Opern „Asrael" und „Christoph Kolumbus", ein naher Verwandter des Hauses Rothschild, lebte mit seiner Gemahlin Marghe« rita, geborene Levi, in u, glücklicher Ehe. Da in Italien die Ehescheidung nicht eingeführt ist, so beschlossen die beiden Gatten, die Staatsangehörigkeit in einem Lande zu erwerben, wo die Ehescheidung besteht, und dann durch die Gerichte dieses Staates ihre Ehe trennen zu lassen. Sie ließen sich deshalb in München nieder, erwarben die baierische Staatsangehörigkeit und erwirkten sodann in Baiern ihre Ehescheidung. — Der Israelitische Unterstützungs-Verein in Wiesbaden, versendet seinen 27. Jahresbericht, der eine segensreiche Wirksamkeit bezeugt. Die Einnahmen sind von 12105,65 Mk. i. I' 1896 auf 13990,23 Mk., die Ausgaben von 10291,60 Mk. auf 13571,06 Mk. (davon an 1035 durchreisende Fremde und auswärtige Kurgäste 2337,10 Mk.) gestiegen. Das Vereins-Vermögen beträgt 23490,60 Mk. — Der Professor am katholischen Priester-Seminar in Hudapest, Herr Leopold Huber, veröffentlicht eine Studie über den Talmud und zwar vom kulturgeschichtlichen Standpunkte. Im Eingänge seines Werkes, das der Verfasser auch dem deutschen Publikum zugänglich machen will, orientirt er über Natur und Bedeutung des Talmuds, um dann in einer reichen Blumen-