Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1898)
- Date
- 1898-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969857--5387-2974686- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
112 bei den Christen gar sehr im Argen gelegen habe. Man hätte also durchaus nicht Ursache, die Juden als unnütz in der menschlichen Gesellschaft zu betrachten und ihnen feindlich entgegenzutreten rc. Aus diesen hier angeführten christlichen Stimmen wird jeder Unbefangene entnehmen, daß das Streben der Antisemiten, Israel, dieses unbesiegbare Volk, zu verwunden und zu entstellen, ein thörichtes, die Gesetze Gottes und der Natur verletzendes sei und daher auch nicht ungestraft bleiben wird. Alle die Hamane in früherer Zeiten, die sich's zur Lebensaufgabe gestellt, Israel, dieses Volk der Geschichte, dem die kultivierten und zivilisierten Völker der Erde ihre besseren Begriffe über Gott, Mensch und Welt zu verdanken haben, zu vernichten, hatten ein schmähliches Ende. Und so lange Israel seine Thora, die ihm unverwüstliche Lebenskraft verleiht, Hochhalten wird, wird keine Macht auf Erden im Stande sein, es zu erschüttern und zu besiegen. Schon in der „Mechilta" zum Abschnitte Jetro wird erzählt: „Als Gott, der sich am Sinai offenbarte und das Weltall durch die Stimme Gottes erschüttert wurde, da geriethen die .Fürsten der Erde in Angst. Furcht, Bangen und Grauen bemächtigte sich ihrer und in ihrer verzweifelten Situation eilten sie zitternd zu Bileam, dem heidnischen Propheten, und riefen aus: „Wird denn wieder eine Sintflut Hereinbrechen und das Weltall vernichten?" „Was fällt Euch ein," entgegnete Bileam, der Prophet der Heiden, „Gott, der Herr, hat ja längst geschworen, daß nie wieder Fluten die Welt zu Grunde richten sollen, vielleicht aber werden Feuersgluten die Welt verzehren?" „O, fürchtet nicht," rief Bileam ihnen tröstend zu, „Gott, der Herr verleiht blos seinem Volke Israel die Thora, eine Lehre, die Sieg genannt wird, siegen muß, und zwar durch die ewigen Wahrheiten, die sie enthält, wie durch die unvergleichlich schönen, herrlichen, herzerhebenden Vorschriften der Humanität, der Nächstenliebe und Menschenverbrüderung." Und als dieser Bileam später von Balak, dem König von Moab, der in Folge der glänzenden Siege, die Israel errungen, in Angst gerieth, berufen wurde, dieses Volk zu verwünschen, es durch die Macht seiner Beredsamkeit der Verachtung preiszugeben, mit einem Worte den Judenhaß zu wecken und den sogenannten Antisemitismus in's Leben zu rufen — „Denn ich weiß, wen du verherrlichst, der steht groß da, wen du aber verwünschest, der ist verwünschet" — rief Bileam begeistert aus: „Wie kann ich verwünschen, wenn Gott nicht verwünscht?" Ein Volk, das für den Glauben der Väter in solch' hohen Maße begeistert ist, daß es Alles für den Glauben, nicht aber den Glauben für Alles hingibt, kann nicht durch Verwünschungen, Verleumdungen und Verdächtigungen niedergeschmettert werden. Wenn ich in die Vergangenheit blicke und die Geschichte dieses Volkes studiere, so gewinne ich die Überzeugung, daß es einzig in seiner Art dasieht und seinesgleichen unter den Heiden nicht zu finden sei." „Wer vermag die unverwüstliche Kraft des in den Staub getretenen