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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-05-01 · Heft 5 (1.5.1898) · p. Seite 110

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 5 (1.5.1898)
Date
1898-05-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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110 Jesus Christus vereinbaren lasse? So lange solche Dinge unter uns geschehen, sei unser Ruhm nicht fein. Es gelte sich mit Ernst dagegen zn erheben. Der berühmte Naturforscher Schleiden schrieb: „Die Inden sind und bleiben das merkwürdigste Volk, und wenn man sich auf die Symbolik einer Vorsehung einlassen will, darf man sie wohl das auserwählte Volk Gottes nennen. Schon daß sie sich fast zweitausend Jahre lang, trotz der schwersten und blutigsten Verfolgungen, die sie von Heiden, Persern, Muhamedanern und Christen zu erdulden hatten, als ein Volk und bis zum heutigen Tage ihrem ursprünglichen geistigen Charakter treu, nicht nur erhalten haben, sondern sich auch fort und fort ausbreiten und im günstigeren Verhältnis als irgend ein anderes Volk vermehren, und zwar unter jedem Klima, läßt sie als eine der interessantesten Aufgaben für eine ernste und sinnige Betrachtung der Geschichte erscheinen. Sie sind das älteste Volk, das als Träger des reinsten Monotheismus dasteht und eben wegen der Reinheit des Gottesglanbens das Sittengesetz und seine Bethätignng im Leben als eigentliche wahre Darlegung des religiösen Glaubens hiugestellt und festgehalten hat. Ganz Europa hat sein Mittelalter gehabt, eine Zeit der Rohheit, des geistigen und sittlichen Verfalls, wie er trauriger nicht gedacht werden kann, nur die Juden machen davon eine Ausnahme. Trotz Zerstörung und Bedrückung, die ihnen oft die einfachsten Menschenrechte, ja selbst die Berechtigung zum Leben raubte, haben sie sich bis zum Ende des Mittelalters ununterbrochen in ihrem geistigen Leben fortenwickelt und den übrigeil Völkern die Grundlagen der Sittlichkeit und des geistigen Lebens bewahrt und überliefert. Wie geistig edel angelegte Naturen strauchelten sie zuweilen, wenn glückliche Augenblicke ihnen das Leben zu leicht machten, aber jede Widerwärtigkeit, jedes Elend, das ihnen nur eine halbwegs menschliche Existenz ließ, hat nur den Erfolg gehabt, sie zu veredeln, sie zu höherer geistiger und sittlicher Anstrengung zu beleben." Der christliche Prediger der freireligiösen Gemeinde in Mannheim hielt vor ungefähr einem Decennium einen Vortrag über die Mission des Judentums in der Weltgeschichte, in welchem er unter Anderem sagte: „Man mache den Juden den Vorwurf, daß sie Landbau und Handarbeiten scheuen, mit Vorliebe dem Handel obliegen, durch Spekulation sich bereichern, nur nach Gelderwerb trachten und durch Wucher das Volk in betrügerischer Weise ausbeuten, daß sie ihren Reichtum dann in unkluger Schaustellung und in übertriebenem Luxus, was namentlich von der jüdischen Frauenwelt gesagt werden müsse, verwenden und so Neid und Mißgunst Andersgläubiger erregen, daß sie ferner durch Vorwitz, Vordringlichkeit und Anmaßung im öffentlichen Leben sich bemerkbar machen und endlich, daß sie in der öffentlichen Presse durch Käuflichkeit und Charakterlosigkeit den Volkscharakter in nachteiliger Weise beeinflussen und so die öffentliche Sittlichkeit gefährden. Wenn nun, wie nicht zu leugnen sei, Juden sich dieser Schwächen und Vergehen schuldig machen, so seien doch immer nur einzelne

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