Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1898)
- Date
- 1898-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 109 gerlichen Rechte beraubt, im Dunkel, in Verachtung, in Sklaverei ihr Dasein fristend, erwartend dem Reiche des erlösenden, befreienden Messias entgegensehen? Gerechtigkeit erwarten, auf eine bessere Zukunft hoffen, ist natürlich und erlaubt. Auch wir hoffen, daß der heranbrechende Tag sein Licht wird ausstrahlen lassen über die finstern Geister; aufthauen lassen die eiskalten Gemüter, daß der erwachte Geist des Jahrhunderts die Thüren des Gefängnisses erschließen, die leidenden Gefangenen von ihrem elenden Zustande zu befreien, der menschlichen, bürgerlichen und christlichen Rechte teilhaftig machen wird; dem flehenden Israel bricht der «flänzende Tag heran, die Stunde schlägt, die Zion Freiheit verkündet, u. s. w. OB. Chan. Jahg. 1865 Nr. 37.) Die „Breslauer Zeitung" brachte unterm 15. Oktober 1879 folgenden Artikel : In der hiesigen Haupt- und Pfarrkirche zu St. Elisabeth hielt Herr Kircheninspektor Prim. Dr. Späth die letzte Sonntags-Amtpredigt über das Evangelium Matthäus, Kap. 22, V. 34. über die vornehmen Gebote) „Du sollst Gott lieben deinen Herrn, und du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst." Hierbei nahm der Redner Gelegenheit, über die skandalösen Agitationen gegen unsere jüdischen Mitbürger zu sprechen. Er äußerte sich ungefähr wie folgt: „Leider seien die Menschen zu jeder Zeit geneigt gewesen, zu trennen, was Gott nach seiner heiligen Ordnung unzertrennlich verbunden habe. So sei es auch mit der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Es habe zu keiner Zeit, so lange dies Doppelgebot bestehe, an Leuten gefehlt, welche es wagten, sich der Liebe zu rühmen» während sie doch um das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen sich wenig oder gar nicht kümmerten, wohl gar sich nicht scheuten, dieselben zu hassen und ihnen wehe zu thun, ja selbst sie zu verfolgen, als thäten sie Gott einen Dienst damit. Wie viel Schmach sei doch auf die christliche Kirche von ihrer eigenen Bekennern durch solches Verhalten gewälzt worden! Man möge sich nur erinnern an jene Unmeuschlichkeiten, welcher sich einst nach der Eroberung Mexikos die glaubensstolzen Spanier schuldig gemacht haben, natürlich zur Ehre Gottes und zum Besten seines Reiches oder an die Frevel, welche in den Zeiten des Mittelalters auch auf deutschen Boden an den Juden verübt wurden. Noch in den letzten Jahren mußten wir erröten über die Judenhetzen an der untern Donau, und es scheine, daß ähnliche ärgerliche Auftritte auch im deutschen Volke, auch in unserer Stadt im Anzuge seien. Gewisse Blätter werden nicht müde, in der gehässigsten und kränkendsten Weise unsere Mitbürger der öffentlichen Verachtung preiszugeben und durch Rührung der Abgunst und des Hasses darauf hinzuwirken, daß denselben die bürgerliche Gleichheit wieder entrissen werde. Die bübische Zerstörung, welche in den letzen Tagen in der Nähe der Synagoge verübt wurde, zeige hinlänglich, tvelche Früchte durch solche Agitationen gezeitigt werden. Ob etwa Jemand glauben könne, daß ein derartiges Treiben sich mit dem Geist und Wort und Vorbild