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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-05-01 · Heft 5 (1.5.1898) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 5 (1.5.1898)
Date
1898-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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seinem Verfolger nehmen? wie sollte er sich an die Gift hauchende Brust werfen, um ob der Unbill und der Kränkungen, die man ihm angethan hat, zu weinen? Einen liebevollen Sinn, ein teilnehmendes Herz sucht der Sohn des Leidens, und wo fände er dasselbe eher, als bei den geliebten Seinigen? Erweisen wir Gutes dem Verfolgten, lindern wir Schmerzen mit pflegendem Sinne; — und er wird sich angezogen fühlen zu uns, mit Vertrauen uns einen Einblick gewähren in sein schmerzerfülltes Inneres und mit glühenden Worten seinen Dank aussprechen. — Oder sollte es vielleicht Widerwillen in dir erregen, mit Menschen umzugehen, die du für ungebildet, in den Regeln der Mode und des Anstandes für unerfahren, ungeschickt hälft? Du verlangst vielleicht, daß sie sich erst ausbilden sollen, damit sie deines gebildeten Kreises würdig werden? Ach wisse! in der Mode liegt keine Wahrheit, kein Verdienst; die Mode ist täglich Veränderungen unterworfen, und die schnell anwachsende Modekrankheit ruft auch für dich einen Wettlauf hervor, der weder nützlich, noch erwünscht ist. Wisse, daß der Gärtner unverständig ist, der den wilden Strauch aus dem Walde insolange nicht in den Garten überträgt, bis derselbe sich veredelt hat. Im wilden Walde bleibt das Gewächs wild und rauh, so lange es lebt; übertrage es in deinen Garten, pflege es, beschneide es, pfropfe edle Zweige darauf — es wird aufblühen und dir Freude und herrliche Früchte bringen. Oder hat vielleicht der Neid dich beschlichen und verzehrt dir dein Herz? Vielleicht fürchtest du, daß indem du deinem Nebenmenschen der bürgerlichen Rechte teilhaftig werden lassest, die Quellen seiner Einkünfte sich mehren, die der deinigen sich mindern werden? Ach, eigennütziger Freund! bedenke: das die Gewässer ausnehmende Meer, wenn es sich ansbreitet, ist es mehr kein tiefes Meer — es wird ein seichtes, durchwatbares Wasser sein; der mächtige Strom, welcher Schiffe trägt, in kleine Bäche zersplittert, verliert an Kraft und fließt spärlicher. Glaube, so du doch Christ bist, was Paulus, dein großer Meister sagt: So ihr (der Juden Fall) der Welt Reichtum ist, und ihr Schade ist der Heiden Reichtum; wie viel mehr wenn die Zahl voll würde?" (Röm. 11, 12). Oder vielleicht sind dir deine israelitischen Nebenmenschen darum fremd, weil nach ihrer Meinung der noch nicht gekommen ist. der dir schon erschienen ist, der Messias? Wisse, die Lehre vom Messias, die messianische Hoffnung gehört nicht zu den Fundamental-Glaubensartikeln und du hast keinen Grund, dich über ihren Unglauben zu wundern. Was ist natürlicher, als daß der in den Ketten schmachtende Gefangene nicht glaubt, daß der Tag der Freiheit angebrochen ist; der Kranke nicht, daß der Arzt gekommen ist, der ihn geheilt hat! Oder solltest du diejenigen nicht als deine Nebenmenschen betrachten, nicht diejenigen an den Wohlthaten der bürgerlichen Rechte Teil haben lassen, die deinen Heiland nicht dafür halten, wofür ihn die christliche Dogmatik hält? Oder, wenn wir Christen, die wir in Jesum unser Heil gefunden, uns eine schönere Zukunft zu versprechen vermessen; warum sollten wir diejenigen verdammen, die der bür-

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