Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1898)
- Date
- 1898-05-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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■ — 107 — wir stehen ihnen doch so nahe! Jesus selbst bekennt: „Das Heil kommt von de» Juden (Joh. 4, 22)"; Paulus, der große Apostel der christlichen Kirche, macht auf die nahe geistige und körperliche Verwandschaft aufmerksam: „Was haben die Juden Vorteile? Über alle Maßen viel. Zum ersten, ihnen ist vertraut, was Gott geredet hat." (Rom. 3. 12.) „Die Israeliten sind meine Verwandte nach dem Fleische, denen gehört die Kindschaft und die Herrlichkeit, der Bund das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißung, welche auch sind die Väter, . aus welchen Christus herkomint nach dem Fleische. (Röm. 9. 35)". Ja, indem unser göttlicher Meister spricht: „Wenn ihr Mosis glauben würdet, so würdet ihr auch mir glauben (Joh. 5. 5. 6.)", erklärt er, daß die Israeliten nur wahr- ' hastig Israeliten sein, nur wahrhaftig an Mosis glauben müssen, um Jesu zu begegnen. Wieder der Apostel Paulus lehrt: „Ist der Anbruch heilig, so ist auch der Tag heilig, und so die Wurzel heilig, so sind auch die Zweige heilig. , Ob aber nun etliche von den Zweigen zerbrochen sind, und du, da du ein wilder Ölbaum warst, bist unter sie gepropft und teilhaftig geworden der Wurzel und des Saftes im Ölbaume, so rühme dich nicht wider die Zweige, Rühmest du dich aber wider sie, so sollst du wissen, daß du die Wurzel nicht trägst, sondern die Wurzel trägt dich. So sprichst du: Die Zweige sind zerbrochen, daß ich t \ hinein gepropft würde. Ist wohl geredet. Sie sind gebrochen um ihres Un- \ glaubens willen; du stehest aber durch den Glauben; sei nicht stolz, sondern furchte dich. Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, daß er vielleicht auch deiner.auch nicht verschone. Darum schaue die Güte und den Ernst Gottes, den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte an dir, sofern du an der Güte bleibst, sonst wirst du auch abgehauen werden. Und jene, so denn nicht bleiben in Unglauben, werden sie eingepropft werden; Gott kann sie wohl wieder einpropfen. ' Denn so du aus dem Ölbauin, der von Natur wild war, bist ausgehauen und wider die Natur in den guten Ölbaum gepropft, wie viel mehr werden die natürlichen eingepropft in ihren eigenen Ölbaum. (Röm. 11, 16—24). Was die äußern Zeremonien betrifft, haben wir schon gesehen, daß in i diesen nichts Wesentliches liegt, daß dieselben auch unter den verschiedenen christlichen Glaubensparteien verschieden sind, ohne daß sie deshalb aufhören, Christen zu sein, und die Erfahrung lehrt, daß die Juden auch in dieser Beziehung immer mehr auf den Weg des Fortschrittes und der zweckmäßigen Verbesserung treten. Oder wäre es vielleicht eine undankbare und lästige Pflicht, diejenigen, aufzusuchen, die vor uns fliehen? Wäre es vielleicht unmöglich, uns mit denjenigen zu vereinigen, die sich vor uns zurückziehen und isoliren? Ach klagen wir nicht diejenigen an, die sich vor dem bekannten Verfolger retten, verdammen wir lieber unser eigenes bisheriges Verfahren! Denn wie sollte wohl der Leidende Vertrauen hegen gegen seine Quäler? wie sollte er seine Zuflucht zu