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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-05-01 · Heft 5 (1.5.1898) · p. Seite 106

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 5 (1.5.1898)
Date
1898-05-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 mischen und babylonischen Talmuds, die Mischna und die Gemara, enthalten die ältesten mündlichen Überlieferungen, die über Mosis Lehre von gelehrten Rabbineu niedergeschriebenen, belehrenden, erläuternden, anfklärenden Theorieen, geschichtliche Erörterungen und Bemerkungen, welche eine tiefe, reiche Wissenschaftlichkeit, einen erhabenen Jdeengang, einen edlen Geist und eine strenge Moral abspiegeln und beweisen; hie und da finden sich — dies ist nicht zu leugnen — auch in diesem Werke menschlicher Geister manche Jrrtümer, schmerzliche Klagen verfolgter, unterdrückter Männer, natürliche Ausbrüche erlittener Ungerechtigkeit. Beachtet aber wohl, daß der Talmud trotz seiner Wertschätzung, in welcher er, gleich wie die Traditionen bei den Christen vor den Augen der Israeliten steht, keinen Vorzug über die ursprünglichen Bücher des alten Testaments erlangt hat; denn die eifrigsten Lobredner dieser Traditionen bekennen, daß der Talmud bei weitem nicht geeignet ist im praktischen Leben allgemein angewendet zu werden, daß derselbe durchaus keine Unfehlbarkeit, noch in seinem ganzen Umfange verpflichtende Kraft besitzt; ja noch mehr, der Talmud ist den wenigsten Juden bekannt. — Wie aber tausend und tausend irrtümliche Behauptungen Einzelner christlicher Religionslehrer und Schriftsteller, so haben auchfalsche Behauptungen einzelner Rabbinen die ursprüngliche reine Quelle nicht verdorben. Wie eine Religion beschaffen ist, wird aus ihren Früchten zu erkennen sein; denn nach der Lehre Jesus wird Gott dadurch verherrlicht, wenn man viele Früchte hervorbringt. Bedenken wir doch wohl, welche Heiligkeit der Eid vor dem wahren Israeliten hat; wie selten unter ihnen die Laster der Trunkenheit und der Unkeuschheit Vorkommen, welche Pietät ihre größtenteils glücklichen Ehebündnisse und Familien charakterisirt; welche Mäßigkeit in der ganzen Ordnung ihres Lebens herrscht! Wir müssen wohl anerkennen und bekennen, daß ein solche Früchte treibender Glanbensbaum niit seinem Schatten die Saat der Tugend nicht ertötet, — diese Tugenden sind vielmehr erwünschte, sichere Stützen des bürgerlichen Lebens, erfolgreiche Mittel zu Förderung des Wohlseins. — Wäre es nicht überflüssig, mit Beispielen zu belegen, welche Opfer Israeliten für die heiligen Zwecke der Menschheit brachten, welchen Eifer sie bethätigt haben für das Vaterland, das ihnen die Hoffnung gewährte, der bürgerlichen Rechte teilhaftig zu werden? Sie haben sich als wackere Vaterlandsverteidiger» als Unterstützer der Armen und Bedrängte», als Wohlthäter ihrer Nebenmenschen bewährt. Sind doch die sich emporstreckendeu Wölbungen der heiligen Stätte, in welchen wir Gott lobpreisen, Zeugen ihrer hilfeleistenden Bereitwilligkeit! Was hält uns also zurück, gegen sie gerecht, erbarmungs- und liebevoll zu sein? Etwa der Unterschied ihres Glaubens, der heilig und die Wurzel unserer Religion ist — oder die Zweige und Blätter ihres Glaubei s, wie sie in den Zeremonien ihres Gottesdienstes zur Erscheinung gelangen? Ach,

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