Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1898)
- Date
- 1898-05-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969857--5380-2974679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
105 den Ewigen, mein Sohn, und König, mit Veränderlichen lasse dich nicht ein. (Spr. 24, 21). Unseres Lebens Odem ist der Gesalbte des Ewigen. (Klage!. 4. 20). Wer hätte ausgestreckt seine Hand gegen den Gesalbten des Ewigen und wäre ungestraft geblieben? (1. Sam. 26, 9.). Den Befehl des Königs beobachte und zwar wegen des Schwures Gottes (Koh. 8, 2.) So werden die Unterthanen belehrt, ihren heiligen Pflichten gegen ihren gekrönten König nachzukommen. Aber auch dem Fürsten spendet die heilige Schrift Lehren: „Und es geschehe, wenn er sitzt auf dem Throne seines Königreiches, so soll er sich schreiben die Abschrift dieser Weisung auf ein Buch aus dem, das vor den Priestern, den Leviten ist. Und die soll er bei sich haben und darin lesen alle Tage seines Lebens, damit er lerne den Ewigen seinen Gott, zu ehrfürchten, zu beobachten alle seine Worte dieser Weisung und dieser Gesetze, um sie anszuüben; daß sein Herz sich nicht erhebe über seine Brüder, und daß er nicht abweiche von dem Gebote rechts oder links, damit er lange lebe bei seinem Königreiche" (5 M. 14, 18—20). „Liebe und Treue bewahre dem König und er stützt durch Liebe seinen Thron" (Spr.20,28). Die heilige Schrist heißt uns auch mit Achtung und Ehrerbietung den Vorgesetzten zu begegnen, die das Alte Testament kostbare Gefäße nennt. (Irrem. 24, 34)." Richtern sollst du nicht fluchen und einen Fürsten in deinem Volke-nicht verfluchen. (2 M. 22, 27). Die Richter werden folgendermaßen ermahnt: Sehet zu, was ihr thut, denn nicht für Menschen richtet ihr, sondern für den Ewigen und er ist bei euch in Sachen des Rechts (2. B. Chron. 9, 6). „Kennet kein Ansehen im Gerichte, den Kleinen wie den Großen höret; fürchtet euch vor Niemand, denn das Gericht ist Gottes." (5. B. M. 1, 17.) „Die Richter sollen das Volk richten nach gerechtem Gericht. Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst kein Ansehen kennen und keine Bestechung nehmen, denn die Bestechung blendet die Augen der Weisen und verdreht die Worte der Gerechten (5. B. M. 16, 15—19). Die heilige Schrift lehrt auch das Vaterland lieben: „Und sucht das Wohl der Stadt, wohin ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Ewigen, denn in ihrem Wohl wird euch wohl sein (Jer. 29, 7)." — Indem wir nunmehr zur Einsicht gelangten, wie die alttestamentlichen heiligen Bücher die gegenseitigen Verhältnisse unter den Bürgern ordnen und Gesetze vorschreiben, deren Erfüllung als starke Stützen die Verfassung aufrecht erhalten und das Gemeinwohl sichern, liegt kein Grund vor, warum wir die bürgerliche Verfassung durch die Lehre Israels bedroht finden sollen. Die also wiederlegte und zum Schweigen gebrachte Schadenfreude sucht aber andere Quellen, die, aus dem Glauben Israels entspringend» die Menschheit mit Gefahr bedrohen sollen; mit Eifer behaupten die neckischen, von Schadenfreude schäumende Lippen, daß der Talmud, welchen die Juden in Ehren und hohem Ansehen halten, fürchterliche Prinzipien, gehässige Gesinnungen lehrt und befiehlt, die mit dem Geiste der heiligen Schrift in Widerspuch stehen. Auch auf diesen Einwurf wollen wir antworten. Die Bestandteile des jerusale-