Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1898)
- Date
- 1898-05-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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der besonders im Judentum um sich griff, zu einem allmähligen Absterben des Eigenglaubens, zu 'eitter Verschmelzung der Rassen und damit einer neuen Religion reinen Menschentums geführt hätte. sVon den starren jüdisch-orthodoxen Elementen, die übrigens in steter Verringerung sich streng für sich halten, kann schon aus dem Grund hier nicht die Rede sein, weil ihre strengen religiösen Vorschriften der Sabbatruhe u. s. w. es ihnen unmöglich machen, irgend eine Stellung und Bedeutung im Staate zu erlangen.^ Man hat einmal die Juden den Sauerteig des europäischen Völkerbreies genannt. Dieser Sauerteig batte keine andere Tendenz, als seine gährende Triebkraft in den Dienst der respektiven Staaten zu stellen, sich dem jeweiligen Volkskörper einznordnen, in ihm aufzugehen, nicht aber ihn zu beherrschen. — Da kam der Antisemitismus und weckte die kecken jüdischen Träumer und belehrte sie darüber, daß sie heimatlos seien auf dem Boden der Heimat. Aber man vergesse nicht, daß es nicht mehr die Juden von ehemals sind, denen man sich gegenüber befindet, sondern Menschen, die es gelernt haben, als solche zu fühlen, die kühn genug sind, sich als solche zu schätzen und nicht gewillt, sich in das alte unwürdige Joch zwingen zu lassen. Und darum wächst dem Judentum eine hohe und schöne Aufgabe zu: In der vordersten Reihe der Kämpfer um das Wohl des Menschheitsganzen soll es zu finden fein. So wie alle Verfolgungen früherer Zeit das Judentum gereinigt haben von Schmutz und Verächtlichkeit, so sollte die neueste Unbill die Juden auf dem Plan finden, wie sie nicht durch das Wort und den Anspruch, sondern durch ihr Leben und ihre Thaten erweisen, daß sie nicht Haß und Verachtung, sondern Liebe und Dank verdienen. Es giebt ihrer heute so viele, die sich unter irgend einem Vorwand aus dem Judentum hinausschleichen. Das ist traurig. Denn es ist heute doppelte Pflicht all derer, die wir mit Stolz zu den Besten nicht nur desj Judentums sondern unseres ganzen Volkes zählen, die ihr Haupt hochtragen, weil sie es dürfen, sich als Juden zu bekennen, durch ihre ganze Persönlichkeit, ihr ganzes Leben für das Judentum zu zeugen, so lange bis man sich damit begnügt, im Menschen nur den Menschen zu sehen. Israels Ieinde und Verteidiger von Dr. M. H. Frredländer. (Schluß). Ein nicht minder gefahrloses Element ist das bürgerliche Glaubensbekenntnis der Israeliten für die Verfassungen der christlichen Staaten. Ja es ist die Stütze, die Kraft der letzteren; denn umsichtig bestimmt es das Verhältnis der Obrigkeit zu den Unterthanen und ihre gegenseitigen Verpflichtungen: „Fürchte