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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-05-01 · Heft 5 (1.5.1898) · p. Seite 101

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 5 (1.5.1898)
Date
1898-05-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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f — 101 — hältnissen einen bequemen Abzugs-Canal zu schaffen, tnbem sie einen-nüchternen, strebsamen und eben darum erfolgreichen Teil der Bevölkerung für die socialen Mißstände verantwortlich machten. Man grub zu diesem Behuf einen alten halbvergessenen Haß aus, man setzte die albernsten Märchen in Umlauf, man verdächtigte den Charakter wie die Absichten guter Bürger, man belastete sie um derselben Eigenschaften willen, die sonst die Tugenden des Bürgers in sich begreifen, man schalt sie ob jener Fehler, die jahrhundertelanger Druck ihnen angeheftet, und von denen sie jetzt eben begonnen hatten, sich allmählich zu befreien. Aber einerlei, der Zweck wurde erreicht. Die urteilslose Menge gewöhnte sich daran, im Juden den Blutsauger zu sehen, der in schrankenloser Habsucht alles an sich riß, den vaterlandslosen Semiten, dessen Ziel und Zweck es ist, das Deutschtum zu' entivurzeln und zu unterjochen, den socialen Verderber, dem die ganze Schuld an der wachsenden Verarmung, den agrarischen wie kleinbürgerlichen Notständen zufiel. Derselbe Jude, mit dem man Jahrzehnte lang in friedlicher Nachbarschaft gelebt hatte, den man nicht umhin konnte, als Bürger und Freund hochzuschätzen, wurde einem mit eins verhaßt als Vertreter seiner Rasse, und die in ihren tiefsten Tiefen aufgewühlte Leidenschaft that den letzten Schritt und zerrte die häßlichsten Gebilde vergangenen, wie man glauben mußte längst überwundenen Aberglaubens, an das Licht. Die Verantwortung für all das trifft nicht das urteilslose Volk — das jauchzt jetzt dem Brutus mrd nachher dem Antonius zu — sondern gewisse Kreise der Gebildeten, die mit vollem Bewußtsein von der Unwahrheit wie von der Tragweite ihrer Beschuldigungen die Hetze in's Volk getragen haben. Nicht „die hosenverkaufenden Jünglinge aus dem Osten" wollte man treffen, nicht die zum großen Teil ganz verarmten Bauernjuden des flachen Landes, nicht die getretenen knechtischen Kleinjuden der Städte, sondern einzig jenen Teil des Judentums, der nach vollzogener Emancipation in frisch aufftrebender Kraft angefangen hatte, es den Besten der Nation gleichzuthun, der ausgestattet mit der ganzen Strebsamkeit und intelligenten Rührigkeit seiner Race auf allen Wissensgebieten Tüchtiges geleistet und bedeutende Erfolge erzielt hatte. Jener Teil der christlichen Bevölkerung, der sich daran gewöhnt hatte, Erfolg und Amt als eine mühelose Erbschaft zu beanspruchen, sah sich mit eins auf's empfindlichste in allerdings unberechtigten Ansprüchen gekränkt, sah sich im Wettbewerb zu ungewohnter Entfaltung von Mühe und Anstrengung gezwungen. Die Rasse, die man als eine untergeordnete und verächtliche anzusehen sich gewöhnt hatte, wuchs mächtig empor, lind wenn man auch nichts dagegen hatte, daß sie die Pflichten des Bürgers mitübernahm, die Freiheiten und Rechte mochte man ihr nicht so ohne Weiteres zugestehen. — Nun darf auf der andern Seite nicht geleugnet werden, daß vielfach ein hastiges Sichvorwärtsdrängen der emancipierten Rasse, ein häßliches Streberlum, eine unzeitige Prunksucht die Unarten des Menschen bekundeten, der seine

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