Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-05-01 · Heft 5 (1.5.1898) · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 5 (1.5.1898)
Date
1898-05-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969851-2969857--5374-2974673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

akademischem Boden stehen. Jeder von Ihnen, der die Wandelbarkeit des akademischen Lebens kennt und die Fährnisse in Betracht zieht, die der Entwickelung eines akademischen Vereins hindernd in den Weg treten, muß zugeben, daß der 15jährige Bestand allein schon von der gewaltigen Lebensenergie zeugt, die in den hohen Zielen des Vereins vorhanden ist. Was uns in 2. Linie von den anderen Vereinen unterscheidet ist der Umstand, daß wir frei von jeder Beschränkung in confessioneller und politischer Beziehung allen akademischen Bürgern das imposante Schrifttum des Judentums zugänglich zu machen suchen. Mögen sich die Comilitonen nach ihrem Eintritt in das Berufsleben in religiöse und politische Parteien sondern — es liegt das mal in den Strömungen unserer Zeit — die lernende akademische Jugend muß sich allzeit bewußt sein, daß der Boden, in den die universitas litterarium eingepflanzt ist, ein neutraler ist. Thut sie das, dann wird man bald, wie von der Kunst, so auch von der Wissenschaft des Judentums sagen können: Iittera.8 Judaicas non odit nisi ignarus. Wir würden aber kaum eine so große Beachtung unter den Comilitonen gefunden haben, wenn wir nicht auch jene Ideale gepflegt hätten, die jedem akademischen Vereine eigen sind, die Freundschaft und den Frohsinn. Wahre Freundschaft und studentischer Frohsinn haben stets den besten Kitt zur Festigung unseres Vereinslebens abgegeben, und ich darf wohl ohne Übertreibung behaupten, man wird denjenigen Verein suchen müssen, bei welchem die Pflege dieser idealen Güter zu höherer Entfaltung gelangt ist. So konnte es nicht ausbleiben, daß sich auch die „Alten Herren" des A. I. G. V. vor Jahren zu einem Verbände zusammen gethan haben, um die freundschaftlichen Beziehungen der einzelnen zum Verein dauernd aufrecht zu erhalten. Ein Zeichen der Liebe zu Euch, werte Aktive, und Euren Bestrebungen, ist die Fahne, deren Übergabe ich hiermit namens des Verbandes alter Herren vollziehe. Nehmt sie, liebe Aktive, hin als Erinnerungszeichen von denjenigen, die selber einst aktiv gewesen sind. Haltet sie hoch und erhaltet sie rein, eingedenk der Worte, die wir vereint so oft gesungen haben: „ob Fels und Eiche splittern, wir werden nicht erzittern!" Dann werdet Ihr und alle, die sich künftig um Eure Fahne schaaren, auch den festen Mut finden, den die Gründer einst gehabt haben, zu kämpfen für die Wahrheit, für die Wahrheit zum Siege! Und so übergebe ich Ihnen, werter Herr Praeside, die Fahne mit dem Wahlspruch, der sie schmückt: Hoffnung, Frohsinn, Wissenschaft!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.