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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-05-01 · Heft 5 (1.5.1898) · p. Seite 98

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98 jüdischen Geschichte und Litteratur zu behandeln, da wurde der Mut dieser Comilitonen angestaunt, aber auch bespöttelt. Fünfzehn Jahre sind seitdem verflossen, eine Spanne Zeit, die im Leben der Vereine etwas bedeutet. Als unser Verein ins Leben trat, da mochten wohl die Gründer selbst nicht die Erwartung hegen, daß ihm eine so lange Lebensdauer beschieden sein würde. Aber siehe da, das kleine Saatkorn, in den Mutterschoß der Berliner alma mater gelegt, ging auf, kam in almählicher Entwickelung zur Reife, und stellt heute, zur XV. Wiederkehr seines Stiftungstages, eine blühende, gegen jedes Unwetter trotzende Pflanze vor. Aber nicht immer ist es so gewesen! Wir haben unser ernstes Streben, das — um es kurz zu sagen — das Streben nach Licht und Wahrheit bedeutet, manchmal bedroht gesehen. Es gab während des Bestehens unseres Vereins Zeiten, in denen man sich erdreistete, unsere Anschläge am schwarzen Brett der Universität zu beschmutzen oder herunter zu reißen. Je häufiger wir dieses, jeder Cultur baare Treiben verurteilen mußten, um so fester schlossen wir uns an einander, um das Banner unserer Wissenschaft hoch zu halten, einer Wissenschaft, die heute nicht mehr Eigentum eines Volkes sondern Gemeingut der gesamniten gebildeten Welt sein sollte. Die Bestrebungen, die Kenntnis der jüdischen Geschichte und Litteratur weiteren Kreisen zugänglich zu machen, sind nicht neueren Datums; sie ziehen sich wie ein roter Faden, durch die ganze jüdische Geschichte des letzten Jahrhunderts. Im Jahre 1819 hatte Eduard Gans den «Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden" begründet, dem einst auch Heinrich Heine als eifriges Mitglied angehörte. Jedoch schon nach einem fünfjährigen Bestehen löste er sich auf. Das gleiche Schicksal traf einen in den vierziger Jahren von Lazarus und Steinthal mit ähnlichen Tendenzen begründeten Verein. Die Wissenschaft des Judentums selber hatte gewaltige Fortschritte, zu verzeichnen. Männer, wie Leopold Zunz und Abraham Geiger, Ludwig Philippson und andere hatten viel zum Ausbau dieser Wissenschaft beigetragen. Mit Stolz zählen wir hierzu auch Männer, wie Heinrich Graetz und David Cassel, die selber Ehrenmitglieder unseres Vereins gewesen sind. Obwohl in den letzten Jahrzehnten oft genug der Anlauf zur Verbreitung der Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur genommen wurde, so war es doch erst dem Mendelssohn-Verein zu Frankfurt a. M. und dem fast zu gleicher Zeit gegründeten akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur zu Berlin Vorbehalten geblieben, nachhaltig und dauernd das Interesse für die Wissenschaft des Judentums zu wecken und zu fördern und für andere Vereine, die sich seit den letzten fünf Jahren an so vielen Orten des deutschen Vaterlandes aufgethan haben, vorbildlich zu werden. Was uns von all' diesen Vereinen unterscheidet, ist 1., daß wir auf

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