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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-04-01 · Heft 4 (1.4.1898) · p. Seite 90

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 4 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 90 (sequence 18)
Language
German
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-;— — 90 — Judentums» einen Vortrag über die Frage: „Was lehrten die Pharisäer?" In klarer, scharfsinniger Weise baute der Vortragende die bekannte Geiger'sche Anschauung über den Pharisäismus weiter ans; er wies an einer Fülle pharisäischer Aussprüche, die er besonders aus eigenen Spezialforschungen auf dem Gebiete der anonymen Aggada gewonnen, bis zur Evidenz nach, daß gerade die Pharisäer es waren, die eine naturgemäße Fortentwickelung prophetischer Ideen in theoretischer und praktischer Hinsicht anbahnten, daß ihnen „die Überordnung der Ethik über den Kultus" als Hauptaufgabe erschien, daß gerade sie „aus chaotischer Wüste das Wahre und Ewige herausempfunden und mit größtem Nachdruck hervorgehoben haben" (vergl. dag. Wellhauseil, Israelitische und jüdische Geschichte puZ. 384). Ihre scharfe Ausprägung des Gottesbegriffes, die sie bis zur äußersten Abstraktion durchführten, die aber gleichwohl das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen nur um so inniger gestaltete, ihre hohen sittlichen Anschauungen von den Idealen der allumfassenden Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, ihr Bestreben, den Kultus nicht als Selbstzweck, sondern als Erziehungs- und Erbauungsmittel aufgefaßt zu wissen — all diese Thatsachen zeugten auch heute noch von der Wahrheit des Geiger'schen Satzes, daß gerade die Pharisäer alle späteren ethischen Ideen schon ausgesprochen oder verwirklicht hatten. Dabei soll nicht geleugnet werden, daß der Pharisäismus auch manche Auswüchse zeitigte, bei denen leeres Formelwesen und Scheinheiligkeit vorherrschend war. Allein, wo gäbe es eine Gesellschaftsgruppe, die sich ausschließlich aus lauter Charakteren zusammensetzte? Gerade diese Elemente aber werden von den wahren Pharisäern in scharfen Ausdrücken gebrandmarkt. Es ist nur die alte Dialektik des Vorurteils, die eine ganze Gruppe für die Ausschreitungen einzelner Elemente verantwortlich machen will. Im großen Ganzen werden heute diese Ausführungen auch von hervorragenden christlichen Gelehrten geteilt. Die Abrogation des Gesetzes jedoch wurde erst durch die Panlinische Theologie durchgesetzt und somit viel später der Bruch zwischen Judentum und Christentum vollzogen. Insofern aber die Pharisäer die prophetischen Ideen vertieften und gerade durch des Gesetzes Hülle sie gegen heidnische Einflüsse schützten und so in ihrer ursprünglichen Reinheit der Nachwelt überlieferten, insofern ist ihnen nicht nur das Judentum, sondern jede monotheistische Religion als „den Hütern der Thora" zum ewigen Danke verpflichtet. — In Gaffel starb der Seminardirektor a. D. Jakob Stein. — In Saargemünd starb Herr Rabbiner Samuel Hernheim. — — Herr Dr. med. Julius Pagel, Privatdozent für Geschichte der Medizin an der Universität in Herlin ist zum Professor ernannt worden. Seine Studien erstrecken sich auch auf das Gebiet der Geschichte der jüdischen Ärzte. — Seitens der protestantischen Geistlichkeit in Schwabach ist Beschwerde darüber geführt worden, daß beim Tode eines Israeliten in Schwabach die Musik vom Turme der protestantischen Stadtpfarrkirche herab geblasen hat; gleichzeitig wurde der Magistrat ersucht, in

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