Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969856--5361-2974659- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 erkennen, und auf seinen Pfaden nicht verweilen wollen. (Job 24, 12, 13) verdienen diese den Namen Kinder des Lichtes, den glorreichen Christennamen? Und wenn unsere Religion uns einschärft: „Brüder haltet nicht dafür, daß der Glaube an Jesnm Christum Ansehen der Person dulde (Jak. 2. 1) lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und in der Wahrheit (Joh. 3. 18); wie sollen denn die einen wahrhaftigen christlichen Glauben haben, die dieses Gebot nicht achten? Und wenn nach der Lehre des Apostels Paulus in Christo Jesu weder Beschneidung noch Vorhaut etwas gilt, sondern der Glaube, der durch Liebe thätig ist (Gal. 5. 8.): wie soll Belohnung und Heil für jene hervorsprießen, die die Beschnittenen in Folge ihres Glaubens hassen und dieselben von ihrer Liebe ausschließen? Der unruhige Geist und das gehässige unchristliche Herz stnden aber Ausflüchte, und vernünfteln gegen die bürgerliche Einigung mit den Juden, indem sie verkünden, daß das Bekenntnis dieser Nation dem Geiste der christlichen Religion widerspricht, die Ausbreitung des heiligen Glaubens hemmt, die Hauptprinzipien des bürgerlichen Lebens schwächt, die Verfassung in Gefahr bringt. — „Weil du also sprichst, darum treiben mich meine Gedanken zu antworten und darum antworte ich schnell" (Job 20. 2). Das heilige Buch der Israeliten, das deren Religion enthält, ist das alte Testament. Dasselbe ist aber auch eine Quelle der christlichen Religion, ja die ürsprünglichste Quelle. Darum sagt Jesus: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekonnnen bin das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, ich bin gekommen zu erfüllen. Denn ich sage wahrlich: bis daß Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis das Alles geschehe." (Matth. 5,17.18). Unumstößlich wahr bleiben also die Lehren des alten Testaments, die Grundwahrheiten, die Hauptgesetze der Religion der Juden, welche auch Prinzipien und Wahrheiten des christlichen Glaubens- und Sittenlehre sind. Und würde ein Christ wagen sich gegen diese Glaubensartikel aufzulehnen? „Der Ewige, unser Gott, ist ein einziger Gott. Du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinen: ganzen Vermögen. (5. M. 6. 4. 5.) „Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben" (Chab. 2. 4.) „So weiß ich mein Annehmer lebt; das spätere Geschlecht, das aus dem Staube aufstehen wird. Und nach meiner Haut — sie haben schon diese zerstört — und frei von meinem Körper, werde ich Gott schauen, den ich selbst nur schauen werde, und meine Augen sehen, und kein Fremder! Es schmachtet danach mein Inneres in ineinem Busen." (Job 19, 25—27). Wie sollte ein Christ diese Glaubenslehren leugnen, wofern er die erhabene Idee der Gottheit, die wahrhaftige Gottesverehrung, das Verdienst des Glaubens, die Auferstehung und das ewige Leben, welche seinen eigenen Glauben bilden nicht leugnen wollte? — Welcher Geist erhöbe seine Stimme gegen folgende vollkommene Sittenlehren? Die Summe der