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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-04-01 · Heft 4 (1.4.1898) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 4 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 Dich Aufrufen, was Dir vergleichen, o Tochter Jerusalems, was Dir gleichstelleu um Dich zu trösten, Jungfrau, Tochter Zions? Denn groß wie das Meer ist Deine Wunde, wer kann Dich heilen? (Klage!. 2, 13)." „Ihr seid gekommen in's Gerede der Zungen und in den üblen Leumund der Leute (Ezech. 36, 3)." Aber woher dieses Elend? woher diese Bedruckung? in welchem Lande üben Menschen solche Unmenschlichkeit? welche hartherzige Völker solche Unbarmherzigkeit? im Lande der Heiden? menschenfressender Kannibalen? Nein — in dem aufgeklärtesten, gebildetsten, menschlichsten Teile der Erde — und was noch mehr ist — erröten wir, o Christen! — Auch in einem apostolischen Königreiche thnn es Schüler Christi, der Sanftmut und Liebe gelehrt hat, deren Kennzeichen und königliches Gesetz die Liebe, (Joh. 13,- 35, Jak. 2, 8), bei denen die Summe und Erfüllung des Gesetzes, das Ziel der Gebote nichts anderes ist, als die ans reinem Herzen, gutem Gewissen, wahrem Glauben stammende Liebe (Mark. 12, 30, 31; Rom. 13, 10, 1; Tim. 1, 5), die erhaben ist über jede Kenntnis und höher steht denn jedwedes Opfer (Mark. 12, 33; Efes. 3. 19)." Und warum? Das Andenken an die für ihren Glauben glühenden Juden aus den ersten christlichen Jahrhunderten hat die das Vergessen und Vergeben nicht kennende Nachwelt bewahrt; der rachedürstende Geist hat sich eingenistet in die römischen Gesetzbücher, weil auch Christen teilnahmen an den Arbeiten, welche später auch in christlichen Ländern Gesetzkraft erhielten. Das in den ehernen Jahrhunderten des Mittelalters herrschende Lehenssystem schloß sie von seinen Wohlthaten ans. Diese finstere Epoche, welche so tief sank, daß sie im Widerspruche mit dem Geiste der sanften Lehre Christi mit Feuer und Schwert den Heiden den christlichen Glauben aufdrang; welche Kreuzzüge gegen diejenigen anordnete, die sich nicht zum Kreuze bekannten, und Andersgläubige auf den Scheiterhaufen brachte, — unterwarf dieselben „zur Ehre Gottes" den qualvollen Werkzeugen der unbarmherzigen Verfolgungen. Angeerbter Haß, Verachtung, Vorurteil, von den Vätern in das zarte Gemüt der Nachkommen verpflanzt — verbreitete Verdächtigungen und Verleumdungen, beugten sie unter das Joch, warf sie unbarmherzig nieder. Und dann wird von Gerechtigkeit gesprochen, wenn die vor Jahrhunderten begangenen Sönden der Väter — wenn diese überhaupt gesündigt haben, — an den späteren Söhnen gerächt werden. Mau spricht von Aufklärung, wenn im Geiste finsterer Jahrhunderte Elend verbreitet wird, damit die Irrenden belehrt werden. Wie sollen wir nunmehr über diejenigen urteilen, die in dieser Beziehung gesündigt haben? Wenn es wahr ist, was der weise Salomo sagt: Daß der Pfad der Gerechten dem glänzenden Lichte gleich ist. das fortleuchtet bis zur Tageshöhe (Spr. 4. 18) wie kennen wir diejenigen gerecht nennen, die Finsternis verbreiten? Und verdienen diejenigen, die, wie Ivb sagt, während die Armen beten und die Seele der Verwundeten aufschreit, daß Gott solche Ungerechtigkeit nicht bleibend werden lasse, auch gegen das Licht ungehorsam sind, dessen Wege nicht

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