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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-04-01 · Heft 4 (1.4.1898) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 4 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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85 die Scheidewand, wenn wir nur Menschen und Christen sein wollen, mit Anwendung aller unserer Kräfte niedergerissen werden. Und es wäre wohl ein verdienstvolles Unternehmen, mit ausgestreckten Armen die Gedenksäille unserer Schmach anzugreifen und die bestehenden Spuren von der Erbärmlichkeit der Menschen- und Christenwelt zu vernichten. Denn wahrlich, es'ist für den Menschen und besonders für den Christen eine unauslöschliche Schmach, eine nicht zu entschuldigende Pstichtvergessenheit, eine einzelne Person, und eine um so größere Schmach, eine ganze Nation 'unbarmherzig der Berachtung preiszugeben. Und sehet geliebte Zuhörer, der in seinem tiefen Kummer, und seinen rechtlichen Forderungen zur Erde gebeugte Jsraelite ist unter uns geboren, unter uns lebend, sterbend — auf seiner Scholle ein Fremdling — seinen Pflichten eifrig nachkommend, rechtlos, — die gemeinsamen Lasten tragend, keine Erleichterung fühlend, — Wohlthaten spendend, mit Undank belohnt, — als eifriger Patriot für das Gemeinwohl wachend — kein Söhn des Vaterlandes, als treuer Bürger die Gesetze achtend, kein Bürger — mit körperlichen und geistigen Fähigkeiten reichlich begabt, — dennoch gehemmt für das Wohl der Seinigen, der Gesellschaft und des Staates zu verwenden. „Der Ewige riß sie aus ihrem Boden im Grimme und großer Erzürnung, und warf sie in ein anderes Land, wie jetzt geschehen ist." (5. M. 29. 28.) Und der heimgesuchte Jsraelite durchzieht die Länder und schaut empor und schaut zur Erde, Hilfe bietet sich keine; denn Elend, Finsternis und Dunkel der Bedrängnis haben ihn umgeben. (Jesaj. 8. 21.) In seiner Not schreit er zum Himmel: „Siehe Ewiger, und schaue, wie verachtet ich'bin! Schaue Ewiger, denn mir ist bange, meine Eingeweide glühen, mein Herz wendet sich um in meinem Innern." (Klagel. 1. 11—20). Ja wohl, der arme Jsraelite wendet sich flehend zu seinen Mitmenschen und spricht: Geht es Euch nichts an, die ihr des Weges ziehet? Schaut und sehet, ob irgend ein Schnierz sei, wie mein Schmerz, der mir angethan worden! Denn der Herr hat mich in die Hände derer gegeben, wider die ich nicht aüfkommen kann, denn fern ist von mir der Tröster, der Erqnicker meiner Seele." (Das. 1. 12—16). Gewahrtest du nicht, was dieses Volk geredet, indem es sprach: Das Geschlecht, welches der Ewige erwählt hat, hat er verworfen, und mein Volk schmähen sie, daß es nicht mehr ein Volk sei vor ihm. (Jer. 33. 24). Darob zerfließen in Thränen meine Augen, glühen meine Eingeweide, ergießt sich zur Erde mein Inneres ob der Wunde der Tochter meines Volkes; es senken zur Erde ihr Haupt die Jungfrauen Jerusalems. (Klagel. 2, 10—11). „O du armes, bestürmtes, jedes Trostes beraubtes Volk" (Jesaj. 54. 11). „Euer Land ist eine Wüste, euere Städte mit Feuer verbrannt, euer Boden — vor eueren Augen verzehren Fremde ihu, und eine Wüste ist's wie eine Umkehrung von Fremden. Und übrig ist noch die Tochter Zions wie eine Hütte im Weinberge, wie eine Rasthütte im Gurkenfelde, wie eine belagerte Stadt!" (Das. 1. 7. 8). „Was für Zeugnis soll ich für

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