Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Freiheit wollte lange nicht erscheinen, die finstere Nacht des grausamen Mittelalters schien gar nicht enden zu wollen, sie wurde nur erhellt, wenn Scheiterhaufen angezündet und sogenannte Ketzer, angeblich „zur Ehre Gottes," verbrannt worden sind. In dieser trüben düstern Zeit, in der die Feinde des Judentums es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Namen Juda zu entwurzeln, blieben die Söhne Jakobs standhaft, schmückten sich mit der Krone des Märtyrertums, leisteten ihren, ihnen an Zahl, Macht und Größe weit überlegenen Feinden Widerstand und konnten daher nicht besiegt werden- Wenn auch viele von ihnen fahnenflüchtig geworden, die meisten jedoch bliebe» dem Gotte ihrer Väter treu und kämpften mit ihrem Herzblute für den Glauben an ihren Gott, der ihnen Kraft und Mut verliehen hatte den gewaltigen gegen sie heranbrausenden Stürmen zu trotzen und die gefährlichen Pläne ihrer Widersacher zu vereiteln. Als nun endlich die Zeit eine andere geworden, die Morgenröte der Freiheit allmählich zu dämmern begonnen und die Finsterlinge die Überzeugung gewonnen haben, daß die Menschen sich nicht mehr am Einblick brennender Ketzer ergötzen, daß Auto daf&s, Jnquisitionstribunale und Scheiterhaufen nicht mehr „zeitgemäß" seien, versuchten sie das von ihnen bekämpfte Israel wenigstens zu verwunden, zu entstellen. Sie verbreiteten falsche Gerüchte, thörichte, lügenhafte, blutrünstige Märchen, um auf diese Weise die Söhne Israels zu allen Zeiten der Mißhandlung des rohen Pöbels preisgeben zu können. Es kann aber nicht geleugnet werden, daß es denn doch zu aller Zeit und besonders in unserem Jahrhundert erleuchtete, ehrliche, wahrheitsliebende christliche Gelehrte und Priester gegeben, die den Judenhaß als eine Sünde entschieden verurteilt und das Treiben der Judenfeinde schonungslos gegeißelt haben. Von den zahlreichen christlichen Stimmen, die sich besonders seit mehr denn fünf Decennien gegen den Judenhaß erhoben haben, mögen hier blos einige erwähnt werden. So z. B. hat der sel. Superintendent Paul Tvrök in der reformirten Kirche zu Budapest am vierten Advent-Sonntage des Jahres 1839 in seiner Predigt für die Emancipation der Juden sich im hohen Grade begeistert. In dieser Rede heißt es wörtlich: „Ich muß nunmehr die Aufmerksamkeit meiner christlichen Zuhörer auf eine hochwichtige Frage lenken, die ebenfalls der Geist unseres Jahrhunderts angeregt und der Erörterung unterzogen hat. Ich meine die Angelegenheit der unterdrückten und jetzt um Befreiung flehenden Israeliten. Die Wichtigkeit der Angelegenheit verdient es und euer christlich milder Sinn gestattet es, daß ich hieriiber jetzt besonders spreche. „Gott der Herr gebe mir eine Zunge des Geübten, damit ich wisse anzupassen dem Müden das Wort" (Jesaj. 59, 4). Eine dreifache Scheidewand trennt von uns die Israeliten, die der Religion, der Nationalität und des Standes. — Diese Hemmnisse standen bis jetzt der Vereinigung mit ihnen im Wege, uiib doch könnte