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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-04-01 · Heft 4 (1.4.1898) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 4 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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........ — 83 — und Anerkennung zu zollen und andererseits mit dir ein Freundschaftsbündnis zu schließen, daß wir uns nie gegenseitig bekriegen uud bekämpfen werden," welchem Wunsche der edle großmütige Patriarch bereitwilligst entsprochen hatte. Ein ähnliches Geschick hatte der Patriarch Jakob. Infolge eines Bruderzwistes sah er sich genötigt, die teuere Heimat zu verlassen. Esau, der den Jakob grimmig haßte, weil dieser ebenfalls vom Vater gesegnet wurde, faßte den Borsatz, seinen Bruder, sobald der Vater sterben wird, umzubringen. Dem Jakob blieb nichts anderes übrig als die Flucht zu ergreifen. Mit Wehmut und Schmerz verließ er das geliebte teuere Elternhaus und zog itt die kalte, frostige Fremde hinaus. Was mußte er dort nicht alles ertragen und erdulden? „Am Tage verzehrte mich die Sonnenglut und in der Nacht der Frost, und der Schlaf wich von meinen Augen," klagte er bitter. Und als er sich später nach der Heimat, nach Ruhe, Freiheit und Selbständigkeit sehnte, überfiel ihn in seiner Einsamkeit die Nacht. Es herrschte überall noch dichte Finsternis, die Geister waren wahttumnachtet. Und diese finstere Nacht des Aberglaubens und des Fanatismus benutzte sein größter Feind, mit ihn zu vernichten. Dieser erbitterte und unversöhnliche Gegner kämpfte und rang mit ihm die ganze Nacht, um ihn, den Glaubensstarken, geistig vernichten zu können. Jakob wehrte sich wacker, und konnte daher von seinem Feinde nicht besiegt werden. Als jedoch die Morgenröte der Aufklärung und der Freiheit zu dämmern anfing und der Feind die Überzeugung gewann, daß er ihm nicht beikommen könne, verletzte er ihn körperlich, damit er wenigstens entstellt sei, und sprach dann: „Entlasse mich, denn es ist hell geworden, die Zeit ist eine andere, eine freiere geworden, daher ich den Kampf nicht weiter fortsetzen kann." Jakob aber entgegnete ihm: Ich entlasse dich nicht eher, bis du eingestehst, daß du trotz der Riesenkraft, die du entwickelt, trotz aller Mittel, die du angewendet hast, mich doch nicht besiegen konntest. „Nicht Jakob, sondern Israel, Gotteskämpfer, sollst du genannt werden," rief der Feind ihm zu, denn du hast geistig und körperlich, für die erhabene Gottes-, idee, wie für die Humanität wacker gekämpft und glänzend gesiegt." Nun fing an die Sonne zu scheinen, es kam eine bessere lichtvollere Zeit, nichtsdestoweniger empfand er noch lange die Schmerzen der Wunden, die ihm der Feind während des Kampfes beigebracht, und er hinkte an seiner Hüfte. Ebenso erging es Israel, den Söhnen Jakobs, wie schon unsere Weisen bemerken, „daß in den wechselvollen Erlebnissen der Patriarchen die ihrer Nachkonimen sich abspiegeln." Nach der Zerstörung Jerusalems mußten die Nachkommen der Patriarchen die teuere Heimat verlassen und in die Fremde hinausziehen. Trotz ihrer edelsten Bestrebungen, das Heil und Wohl des Staates, in welchem sie Aufnahme gefunden, nach jeder Richtung hin zu fördern, wurden sie dennoch nur als Fremde, aus Erbarmen Geduldete, die jeden Augenblick verjagt zu werden befürchten mußten, betrachtet. Der sehnsuchtsvoll erwartete Tag der

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