Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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81 stoßen wird, bis zum „Kapitol", wo der Sieger geehrt wird. Darum verzage nicht, Deutsch-Israel! Trostvoll klingt uns auch heute noch die Botschaft eines unserer gewaltigsten Propheten und Volksredner: „Dafür, daß du verlassen warst und bestgehaßt, unbesucht, so mache Ich dich zur Wonne aller Geschlechter." Darum freue dich, ja freue dich, Deutsch-Israel! Ohne besondere patriotische, philantrophische Mitwirkung des Geldadels werden zeitgemäße heilsame Reformen sich nicht vollziehen lassen. »Darfst dich nicht schämen, fröhlich zu nehmen, kindlich empfangen ist menschliches Recht. Aber zu geben, das erst ist Leben, läßt dich empfinden dein göttlich Geschlecht." Die jüdische sogenannte Plutokratie, wenn sie geadelt werden will mit dem Wappen und Zeichen der Aristokratie des Geistes, handelt vielleicht in eigenstem Interesse, wenn sie mit löblichem Beispiel vorangehend, ernste Opfer auf dem Altar des Vaterlandes bringt und großartige Gründungen sozialer Natur anregt und in's Leben ruft. Alles begreifen heißt alles verzeihen; am schwersten ist's dem Mindergefegneten das Glück zu verzeihen, dem Mindergeprüften das Unglück verstehen. Auch diese Kunst will gelernt und muß geübt werden. Aller Adel aber verpflichtet, oder sein Schein und Sein „verflüchtet". —- Ceterum censeo: als unerläßliche Bedingung schafsensfreudiger israelitischer Mitarbeit gilt's vorerst, das Antisemiteiltum, das „reine" so gut wie das „unreine", mit vereinter Kraft und voller Wucht aus dem öffentlichen wie gesellschaftlichen Leben zu bannen. Hierzu werden die Reichstagswahlen vollkommen Gelegenheit bieten. In den bisherigen antisemitischen Wahlkreisen und solchen, wo neue judenfeindliche Kandidaturen in Aussicht genommen sind, sollten rechtzeitig Volksversammlungen ohne besonderen parteipolitischen Charakter abgehalten werden mit allem Glanze feierlicher, des Gegenstandes würdiger Veranstaltungen: „Grüßend freie Männer reden feurig zu des Volkes Ohr." Der reine Antisemitismus hat ohnehin viel von seiner Zugkraft verloren, er ist in starkem Niedergang begriffen und muß zu voller Auflösung gebracht werden. Wenn israelitische Deutsche wollen, giebt's keinen Antisemitismus mehr und darf es keinen mehr geben, denn wir brauchen ihn nicht mehr zu unserer Selbsterkenntnis und Selbstveredelung und Selbsterhaltung. Wohlan laßt uns wollen, israelitische Deutsche! Helft uns auch, Ihr christlichen und Ihr edelsten, christlichsten Deutschen! Daran aber soll die Welt, meine lieben und geehrten Landsleute dreier Confessionen, unser gutes Recht erkennen, daß wir im Kampfe fest auf Gottes Hülfe bauen, und daran unser Deutschtum, daß wir den Hort aller Deutschen, „den großen Alliirten" — „Gott, sonst nichts auf der Welt fürchten." Einst rief der Finder dieses deutschen Flügelwortes und Gründer des