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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-04-01 · Heft 4 (1.4.1898) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 4 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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— 80 — liebe, mochte Wilhelm II. wohl gehofft haben, durch Waffenthaten sich dereinst in die Tafeln der Geschichte einzuschreiben, gleich seinem großen Ahnherrn Friedrich IL, der in den Werken des Friedens nicht minder bewunderswert war. Heute ist Se. Majestät das vorzüglichste Werkzeug in der Hand der Allmacht, für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens zu sorgen. Möge es Seiner Regierung beschieden sein, im Frieden nach außen und innen, Großthaten zu verzeichnen, welche das Glück der Bürger begründen, die Liebe des freien Mannes zum Vaterland befestigen und so den Herrscherthron gründen „wie Fels im Meer." Möge die Krone der Hohenzollern auch von treuen und weisen Ratgebern umgeben sein! Heil unserem Kaiser, dem Sohne Friedrichs des Edeln — dem hochherziger Bürgersinn ein Denkmal in Stein gesetzt, nachdem er sich ein unvergängliches Denkmal im Herzen aller Deutschen selber errichtet! Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, gebet d«n"Bvlke, was des Volkes ist, gebet den Edeln des Volkes, was den Edeln des Volkes ist! Auch der Adel der Edeln ist vollberechtigt; den Ehrenrechten stehen Ehrenpflichten gegenüber. Es giebt einen dreifachen Adel, — gerade „in der Dreiheit liegt die Stärke" und die Hoffnung auf Emporhebung der Volkskraft: Geist-, Blut- und Gutadel. Noblesse oblige — das Wort, einst kennzeichnend den Geist der Aristokratie, ist das Kennzeichen der Aristokratie des Geistes geworden. Der Geistesadel, auf angeborener Begabung und glücklicher Ausbildung beruhend, ist von Gottes Gnaden, ihm gebührt ein größerer Einfluß auf die Führung des Volkes in seinem Ringen nach Veredelung seiner Daseinbedingungen. Der Geburtsadel par excellence mag immerhin in der Pflege ehrenvoller Vergangenheit seine beste Kraft schöpfen zu gegenwärtiger lebendiger Bethätigung an den Lebensinteressen des Volkes, ans dem er erwachsen. In einer Zeit fortschreitender Nivellirung erhebe er auch Widerspruch gegen mancherlei Verirrung des Zeitgeistes allein durch Wesen uud Wandel und werde der schlichten bürgerlichen Gesellschaft ein würdiges Vorbild schönerer Geselligkeit, feinerer Lebensart und Sitte. Israel, wenn es seinem Namen und Beruf treu, ein „Gotteskämpfer" ist und dann mit Recht seinen Stammbaum auf den Stammfürsten Abrahain, den ersten Anbeter Jehovas, zurückführt, gehört eigentlich mit Geist uud Blut „im Namen Gottes" zum ältesten Adel der Welt. In sturmbewegter Zeit werfe es wie Jona das Hebräerpanier auf „vom Glanz und von der Wahrheit voll." Anerkennungsvoll ist, worauf in heutiger Zeit mit Genugthuung hingewiesen werden darf, der Ausspruch des Freiherrn Ernst v. Wolzogen in seinem Mahuwort an die regierenden Klassen und den deutschen Adel: „Seht die Juden an!" Dieses „Loco lluäaei!" bringt uns in Erinnerung, daß glücklicherweise die Entfernung gering ist vom „Tarpejischen Felsen", wo der Verachtete hinunterge-

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