Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 geradem, edlem, kern deutsch e n Wesen (Assimilation) einzig und allein das vernünftig Erreichbare und Erstrebenswerte. Deutsches Wesen, an dem ja noch einmal die Welt genesen soll, wird zur Heilung der Schäden unserer Zelt um so wirksamer werden, in je innigere Verbindung es mit israelitischer Thatkraft tritt- Hieß es einst von verschämter, und mehr noch unverschämter antisemitischer Seite: die Juden sind uiiser Unglück, und wies man damit ständig auf einzelne rückständige Elemente hin, so soll lieber, und auch durch diesen schlichten Weckruf, gerade an die Besten in Deutsch-Israel appelliert werden. Die Besten und Einsichtsvollsten wünschen nichts sehnlicher, als das auf dem jüdischen Namen haftende Vorurteil wo nur immer durch gemeinnützige Thaten zu entkräften, den traurigen Judenhaß durch Werke der Liebe in Liebe zu den einstigen Lieblingen Gottes zu wandeln. Die gemeine Not der Zeit drängt uns als Patrioten, die eigene „Judennot" zwingt uns als Israeliten zu doppelter Kraftentwicklung. Der Geist treibt uns auf den letzten Rest innerer Entfremdung zwischen uns und unfern christlichen Volksgenossen, die die Kraft öffelttlicher Wirksamkeit aus der Tiefe religiöser Begeisterung schöpfen zu beseitigen. Zählen wir längst den einst ausgestoßenen Denker Baruch Spinoza mit Stolz zn den unseren, so lebt auch bei vielen modern empfindenden Israeliten ein Verlangen nach Verständiqilng und Aussöhnung mit dem Christentum, stammend ans der Anerkennung der Verdienste desselben und seines Stifters, von den« Großes fiir die Verbreitung des jüdischen Gottesgedankens und der jüdischen Ethik in der heidnischen Welt ausgegangeu und der als ein friedenstiftender Mittler zwischell Edom und Juda, den so lange feindlichen Brüdern, darstehen soll. *) *) Von hohem, kulturgeschichtlichem Interesse ist, was der Redakteur der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" („Unparteiisches Organ für alles jüdisches Interesse") Dr. Gustav Karpeles, am 17.' Dezember 1897 in seinem Leitartikel zum jüdischen Lichtersest schreibt: „-Aber beklagenswert ist es, daß dieses unfreundliche Urteil aus diesen ersten Zeiten sich fortpflanzte zu den spätern Geschlechtern, zu Jadrhunderten, wo sich die Ohnmacht der neuen Lehre gegenüber dem Judentum längst erwiesen hatte, wo sie aber nicht minder als der Stein sich zeigte, der dem Koloß des Heidentums den thönernen Fuß zerschlug, und desien mächtiges Dröhnen die Erde erfüllte. Wohl war die Tochter hart und rauh gegen die jüdische Mutter, und dieser wurde das Dasein schwer unter der Herrschaft des Sprößlings. — Dies alles trübte vielen Israeliten den Sinn, daß sie die große Gottesthat, die Erlösung der heidnischen Welt, die sich damals vollzog, nicht begriffen, daß sie nicht einsahen, wie nächst der Offenbarung am Sinai die Geschichte der Religion kein gewaltigeres und kein segensreicheres Ereignis zu verzeichnen hat als dieses Ausströmen eines großen Teils der jüdischen Wahrheit zu den heidnischen Völkern.. Freilich, noch heute dringt manch unduldsames Wort aus diesen Kreisen zu uns herüber; ja es kann Vorkommen, daß Priester dieses neuen Glaubens, dazu geladen, Zeuge zu sein der Weihe eines Gotteshauses, dieses zurückweisen, weil es ein jüdisches Gotteshaus war. Es ist eine harte Verirrung, so vollkommen das beiden Religionen Gemeinsame zu