Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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75 dem sie geboren schauen die Armen und Verlassenen noch heute zu dem Bilde des großen Lehrers empor, der den Gott, die Hoffnungen und Tröstungen Israels der Welt einst verkündete. Von den Bergen, von denen durch die Stille der Nacht das Ave Maria tönt bis in die Thäler, wo am Tage des Herrn die Glockentöne durch die Fluren unseres Vaterlandes hallen, tönt das Echo jenes reinen innigen Gottesglaubens, der aus der Seele Israels entsprang. Wir.fühlen uns ganz mit unserem Vaterlande verbunden, wir atmen das Innerste seines Wesens mit dem Hauch der Luft, der durch seine Felder geht. Deutsch-Israel. An den geistigen Adel Deutscher Wation. Vortrag, gehalten im „Nordischen Hof" zu Gnesen am 24. Oktober 1897 von Hermann Leszczynski. (Schluß). In Mendelssohn feiert die Seele des aufgekärten Judentums mit dem Geiste des durch Humanität verklärten Deutschtums eine glückliche Verbindung. So war er aufstrebenden Genossen ein leuchtendes Vorbild, von den besten Zeitgenossen gefeiert als deutscher Popnlarphilosoph. Darum hat er gelebt für.. alle Zeiten und lebt besonders für unsere kritische Zeit durch sein „großes Beispiel, das Nacheiferung weckt und dem Urteil höhere Gesetze giebt." — Gewiß war's bei Lavater neben kirchlichem Bekehrungseifer aufrichtige persönliche Zuneigung, die ihn erfüllte für eine „schöne Menschenseele," welche zu finden Gewinn. Ein abtrünniger Moses würde sich aber selbst der Möglichkeit der Rettung seiner eigenen Glaubensbrüder beraubt, auch ein gut Teil.des Zaubers verloren haben, den die charaktervolle Persönlichkeit des „jüdischen Sokrates" ausgeübt. So wie er war und blieb, „treu und frei, treu und wahr" löste er die Aufgabe, die ihm die Vorsehung gegeben — und uns heute noch giebt —, als sie seine jüdische Wiege auf deutsche Erde stellte. Ergreifend zogen die Klänge in die Seelen der Epigonen bei der Heier der 100. Wiederkehr seines Todestages: „Wir preisen in Dir den Ahnen, „Der an die Zukunft geglaubt, „Wir grüßen Deine Manen, „Dein liebreich kluges Haupt. „Die Müden sähest Du weinen „An Babylons mächtiger Flut;