Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-04-01 · Heft 4 (1.4.1898) · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 4 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969851-2969856--5348-2974646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

74 fragwürdigen Gestalten die den Antisemitismns geschäftsmäßig betreiben nicht, und die . Mißachtung des Volkes, das die Psalmen und die Propheten hervorgebracht und aus dem Jesus und seine ersten Jünger hervorgegangen, liegt ihm fern. Er wünscht die Judenfrage beseitigt, verlangt aber, daß die Juden ihre nationale Religionsübung aufgeben. Er erklärt sich hierüber näher indem er schreibt: Wollen die Juden an unseren Angelegenheiten als voll- und gleichberechtigte Bürger teilnehmen, so müssen sie die Konsequenz ziehen und anfhören Juden sein zu wollen. Mit Recht schreibt Herr Levinstein: Aber inwieweit stört diese nationale Religionsübung Herrn Paulsen oder irgend einen andern? Wenn wir auch das Judentum in seiner geschichtlichen Besonderheit erhalten wollen, so steht diese ja nicht auf nationalem, sondern auf religiösem Boden. Wir sind heute noch wie vordem die Bekenner der einzigen Religion, die die unbedingte Einheit des Schöpfers der Erde und des Himmels verkündet. Herr P. ist im Irrtum wenn er meint, es werde an die völlige Gleichstellung der Juden die Bedingung gestellt oder auch nur stillschweigend vorausgesetzt, daß die Juden ihr Judentum, dem die Welt ihr Heil und ihren Heiland verdankt, aufgeben sollen und sie werden auch nie und nimmer um den Preis der gebotenen Gleichheit lind aller Ehren ihrer Überzeugung untreu werden. Denn mehr als das Leben, seine Ehre und Genüsse gilt den Juden ihre Überzeugung und ihr Gott. Die Juden können unmöglich an die wesentlichen Dogmen der christlichen Religion glauben, die jüdischen Gesetze hindern nicht an der Erfüllung aller Staats- und gesellschaftlichen Pflichten. Mit ft Recht heb/ Herr Levinstein Herrn P. gegenüber, der den Juden die Alternative stellt entweder ganz Jude zu bleiben oder ganz Deutsche zu werden hervor: Wir deutsche Juden sind mit demselben gesetzlichen und natürlichen Recht deutsche Bürger wie die protestantischen und katholischen Mitbürger, und wir verlangen bei gleichen Pflichten auch gleiche Rechte. Professor P. giebt mit Behagen eine Charakteristik der Juden, wie die Antisemiten, indem er schreibt: „Ein unsicheres unterwürfiges und andererseits sich vordrängendes rechthaberisches und wobl auch protzenhastes Wesen verbunden mit einem Mangel an Selbstkontrolle und Gewissen", was doch eigentlich in einem Buch der Ethik nicht zu lesen sein sollte. Warum wird nicht auf die edlen Eigenschaften der Juden hingewiesen, auf ihre Nüchternheit, auf ihren Fleiß, auf ihre auffallende Freiheit von brutalen und bestialischen Verbrechen, auf ihren regen Wohlthätigkeitssinn, der im gleichen Maße gegen Glaubensgenossen wie gegen Nichtjuden geübt wird und wie von ihnen die Erfüllung der Vorschrift: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Lev. 19, 18) mit größter Hingebung gehalten wird. Herr Levinstein schließt feine beachtenswerte Schrift, die von Neuem zeigt, daß er von Liebe und Begeisterung für das Judentum erfüllt ist, die ihm auch in gewissen jüdischen Kreisen so gerne abgesprochen werden mit den Worten: Nicht Fremdlinge sind wir hier wie einst im Lande Ägypten. In den Hütten des Weilers in >

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.