Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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'V* «""•‘■“SV ' -- .. -> - .. -" «JK -; ,..4 — 70 — Ihrer Stimme zu hören, die Macht Ihres ergreifenden Spieles zu bewundern, wurde, als es hieß, Sie wollten München verlassen, wie von der Nachricht eines schweren Verlustes und einer schmerzlichen Trennung betroffen. In diesem Gefühle erhebt sich einstimmig hier ein Chor von Freunden und Freundinnen Ihrer Kunst zu dem Wunsche, Sie möchten der Münchener Bühne erhalten bleiben, und dieser Wunsch erhebt sich auch zu der herzlichen Bitte, Sie mögen ihm willfahren, um einst der innigste Dank zu werden, wenn Sie ihm gütigst gewährend sich zuneigen wollten. In größter Hochachtung und Verehrung Dr. Hermann v. Lingg." — Es folgen über tausend Unterschriften aus den höchsten und besten Kreisen Münchens. Fräulein Ternina, eine gottbegnadete Sängerin, führt den althebräischen Namen Milka, wie eine der weisen Töchter Zelafchads (IV. B. M. 27, 1). — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Zerlin hielt Herr Professor Emil Sreslanr einen hochinteressanten Vortrag über die viel umstrittene Frage: „Giebt es altjüdische oder nationaljüdische Melodien?" Herr Professor Breslaur beantwortete die Frage in ablehnendem Sinne. „Von besonderem Interesse schreibt die „Deutsche Musikerzeitung" waren uns die den Vortrag erläuterden Gesänge. Wir hörten unter anderen die Melodie des durch Max Bruchs Bearbeitung in weiteren Kreisen bekannt gewordenen „Kol Nidre" in der uralten Form, sodann dieselbe Melodie mit den Worten des Psalms 130 in einer geradezu vollendeten Ausführung durch den unter Leitung des Herrn Professor Breslaur stehenden Chor der jüdischen Reformgemeinde. Die a capella vorgetragene Stelle: „Meine Seele hofft auf den Herrn" machte einen ergreifenden Eindruck. Auch die Ausführung der übrigen Gesänge, darunter die Komposition des Psalmes 137: „An Babels Flüssen" von E. Breslauer, ließ in Bezug auf Schönheit des Klanges, feine dynamische Abstufung und Innigkeit des Ausdrucks keinen Wunsch unbefriedigt." — Das letzte Liszt-Verein-Concert in Leipzig erhielt dadurch ein erhöhtes Interesse, daß der junge vielversprechende Leipziger Tonkünstler Gustav Krecher zum erstenmal als Orchesterdirigent vor die Öffentlichkeit trat und nach einstiminigem Urteil des Auditoriums und der Kritik bewiesen hat, daß er die Befähigung zum Orchesterdirigenten besitzt. Herr Brecher ist ein Enkel des verstorbenen Gelehrten Dr. Gideon Brecher in Proßnitz in Mähren und ein naher Verwandter von Dr. Moritz Steinschneider in Berlin. — Herr Dr. Max Kernstein, der bekannte Rechtsanwalt in München, erzielte im deutschen Theater in Berlin mit seinem anmutigen und lustigen Verslustspiel „Mädchentraum" einen unbestrittenen Erfolg. — Die „N. Fr. Pr." berichtet über folgendes charakteristische Vorkommnis: „Eine junge Sängerin, mit dem Künstlernamen Carneri, welche das Wiener Konservatorium mit Auszeichnung absolvierte und bei ihrem Scheiden eine Prämie erhalten hat, wurde durch Vermittlung ihrer Korrepetitorin, einer sehr vorteilhaft bekannten Künstlerin, eingeladen, in einem Konzert des Akademischen Gesangvereins mitzuwirken. Zwei Vereinsmitglieder überbrachten