Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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71 dem Fräulein persönlich die Einladung und nahmen ihr Programm in Empfang. Am nächsten Tage erhielt die junge Dame eine Zuschrift ihrer Korrepetitorin mit der Mitteilung ein angesehenes Mitglied des Vereins, Herr Pr. 83., lege ihr nahe, ihr Programm derart abzuändern, daß das darin enthaltene Mendelsohn'- sche Lied nicht gesungen werde. Die Herren Studenten wollten es nicht, weil Mendelssohn — ein Jude gewesen sei. — In der diesjährigen Kunstausstellung in München fand besondere Aufmerksamkeit das Bild eines jungen Breslauer Malers, Emil Spiro in München, eines Sohnes des Kantors Spiro in Breslau. Der Kunstkritiker der „Breslauer Zeitung" schreibt darüber unter anderem: „Spiro ist ein vielversprechendes Talent; der Mädchenkopf ist idyllisch, frisch und anmutig. Spiro wendet ferner den alten Gegensatz von Rot und Schwarz an, hat aber diese Farben so fein abgestuft, den Kontrast so einfach in einige Übergänge und Nuancen aufgelöst, daß das Ganze wohlthuend und vornehm wirkt." — In Ostrowo hielt Herr Rabbiner Dr. Meßner einen Vortrag über „Moses in der Kunstgeschichte" — Der berühmte jüdisch-holländische Maler Joseph Israels ist der Mittelpunkt einer großen Ausstellung in der Goupril Galery, wo nicht weniger als 50 Gemälde von ihm glänzen, die viel Aufsehen erregen. In den Räumen der Fine Arts Society ist eine Sammlung von Aquarellen aus dem heiligen Lande ausgestellt, circa 90 Bilder von denen aber nur drei oder vier jüdische Themata behandeln- Eine andere Palästina Ausstellung eröffnete am Mittwoch den 17, November in Toyebu Hall, Oxford, der Lordkanzler von England. Diese Ausstellung findet zum Besten des Baufonds für ein neues Spital in Jerusalem statt. Aus der Rede des hohen Beamten heben wir hervor, daß derselbe betonte, wie die Juden jetzt in ihr altes Vaterland znrückströmten, nachdem sie in der alten Welt Qualen genug durchgekostet hätten. Nach seinen Informationen betrage jetzt die Zahl der Juden in Jerusalem 40— 45000 unter insgesammt 60000 Einwohnern. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Karlsruhe hielt Herr Hermann Zivi Oberkantor in Düsseldorf, einen Vortrag über altjüdische Musik. Redner verbreitete sich eingehend über den vokalen wie über den instrumentalen Teil des Themas und wies durch Bibelstellen nach, daß sich das Judentum schon in den frühesten Zeiten des grauen Altertums in den Dienst der musikalischen Kunst stellte. Besonders interessant waren die Mitteilungen über die altjüdischen Tempelinstrumente, namentlich die verschiedenen Harfen. Redner war in der Lage, die ethymologisch-musikalische Bedeutung verschiedener Instrumente nachzuweisen und hat in seinen interessanten Vortrag den Beweis geliefert, daß er eingehende Fachstudien besitzt, die ihn berufen erscheinen lassen, mit deren Ergebnis belehrend vor die Öffentlichkeit zu treten. — Von demselben auf dem Gebiete der synagogalen Musik durch seine trefflichen Leistungen bekannten Herrn ist im Verlage der Kunst- und Musikalien- Handlung von W. Wörmbke in Düsseldorf ein Werkchen „Schlosch essre middos"