Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969855--5335-2974632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wird die selbständig denkende und handelnde Frau ihre Pflicht aufzufassen und zu erfüllen wissen, als die an Geist und Körper verschnörkelte Modepuppen, wie sie heute nur allzu oft in die Ehe geht. Das ist die Aufgabe, die Euch ruft, Ihr jüdischen Frauen! gerade die Innigkeit des jüdischen Familienlebens, wie auch die unbestrittene Thatsache, daß die Frau es ist, die der Familie das Gepräge ihrer Eigenart aufdrückt, bürgen dafür, daß vor allem die Frauen berufen sind, entscheidend niitzuwirken an der Regeneration des Judentums. Diese Aufgabe würde Euer Leben vereinfachen, um es zu bereichern, sie will Euch zu mitschaffenden, gleichwertigen Gefährtinnen Euerer Männer machen, zu guten Müttern im idealsten Sinne des Wortes, und außer der Ehe zu wahrhaft nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft überhaupt. Und da Ehe und Fanlilie die Grundvesten des Ganzen sind, so würde von ihnen eine Verjüngung ausgehen, die dem gesammten Judentum zu gute kommen und eine Waffe der Feinde in ein Werkzeug des Segens umschaffen würde. H*urim und Iasching. Über die Entstehung des Carnevals ist schon vieles geschrieben worden, die einen wollen ihn als Überbleibsel der heidnischen Bacchanalien betrachten, die andern leiten ihn aus dem altgermanischen Julfest her. Es ist aber in Wirklichkeit nichts von beiden, sondern dem jüdischen Leben entnommen. Bekanntlich hat das Christentuin die meisten seiner Feste dem Judentum entlehnt und denselben einen anderen Sinn untergeschoben, wie den Sabbath, Peßach, Schwuoth u. s. w. Dasselbe ist auch mit Purim der Fall. Den Schaltmonat Adar auf die einzelnen Jahre verteilt, fällt Purim 40 Tage vor Peßach; ebenso verhält es sich mit Fastnacht. Das heitere Purimfest mit den ihm zu Grunde liegenden wechselvollen Ereignissen sollte, wie es schon in dem Buche Esther heißt, für alle Zeiten als ein fröhliches Fest mit Gelagen und Beschenkungen gefeiert werden. Eben so alt wie dessen Geschichte, ist auch die Maskerade. In Kapitel 7, Vers 8 des Buches Esther wird erzählt: „Das Wort war aus dem Munde des Königs gegangen und sie verhüllten das Gesicht Hainaus." Iben Esra erklärt diese Stelle also: „Die Diener bedeckten das Antlitz Hainaus. Es ist aus der persischen Geschichte bekannt, daß man einem beim Könige in Ungnade Gefallenen das Gesicht bedeckte, damit der König es nicht mehr sehe." Aus dieser Verhüllung entstand die Maskerade. Man wollte mit der Verkleidung zugleich versinnbildlichen, wie der hochgestandeue Fürst Hawaiis erniedrigt, der arme Mordechai und Esther erhöht wurden, wie unter der Maske der Fürst zum Bettler und der Bettler zuin Fürsten werden kann.