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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-03-01 · Heft 3 (1.3.1898) · p. Seite 54

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 3 (1.3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 kunft des Staates, unter dem wir lebten, verknüpft sehen, als es andere Staatsbürger thun. Diese Beweglichkeit und Jnternationalität werden als die tiefste Ursache des instinktiven Mißtrauens der nationalisirten und ansässigen Bevölkerung angegeben. Der Herr Philosophie-Professor sieht die Beseitigung der Judenfrage nur im Aufgeben der nationalen Religionsübung und stellt die Alternative, entweder — oder. „Ganz Jude bleiben oder ganz Deutscher werden, beides sein, ganz Jude, ganz Deutscher, es ist unmöglich." *) Bemerkenswert ist, daß die z. T. sehr scharfen und ungerechten Angriffe auf den Charakter der deutschen Israeliten überhaupt ohne einen Schimmer von Schein eines Beweises nur dem „on clit“ der Antisemiten, denen er nicht angehöre, entnommen oder „auf Grund einzelner Beobachtungen und auf Grund einer apriorischen Betrachtung," wie er selbst schreibt, angenommen sind.- Wie doch das Wort, nicht das Wesen der Nation und Nationalität in der Neuzeit soviel Streit in der Welt entfachen konnte; fast wie vor Alters das Wort, nicht das Wesen der Religion und Religiosität. Ein Volk kann von derselben Abstammung sein und braucht nicht zur selben Nation zu gehören (z. B. des englische und das deutsche Volk) und andererseits von anderer Abkunft sein und sich doch zur nämlichen Nation zählen. Diese erhält durch erbliche Namens-, Sprach-, Sitten- und Kulturgemeinschaft ihr eigentümliches Gepräge. Erst durch gemeinsame Überlieferungen und Anschauungen gewinnt ein Volk Gemeinbewußtsein und Empfindung für Gemeinehre, und erhebt sich damit zu einer Nation. Dennoch sind nicht Geburt und Verwandschaft des Blutes, sondern Erziehung und Gewöhnung die charakteristischen Merkmale nationaler Zugehörigkeit. „Gewohnheit ist auch hier eine zweite Natur." Adalbert v. Chamiffo, von Geburt Franzose, zeichnet sich, ohne den ooprit und die Eleganz seiner früheren Landsleute zu verleugnen, in seinen Liedern und Balladen durch Tiefe und Innigkeit des Gemütes aus. Der deutsche Jude, der sich selbst als Deutscher fühlt und es sein will, i st ein Deutscher. Als Jude — im Sinne von Religion.und Rasse — wird er geboren, als Deutscher erzogen und herangebildet; jenes ist er durch den Zufall der Geburt, dieses durch Erziehung und Willenskraft. Durch Erziehung ward einst auch das heidnische Germanentum, durch Einführung eines neuen Kulturelements, des Christentums, das aus Israel hervorgegangen, erst zum zivilisierten Deutschtum. Sind wir Israeliten dem deutschen Stammvolk auch nicht blutsverwandt — Klima und Boden thun freilich das ihre auch zur physischen Verähnlichung —, ') „Es ist ganz und gar nicht unmöglich, Herr Professor" antwortet ihm Gustav Levinstein (Schloß Lichterfelde bei Berlins in seiner trefflichen Vertheidigungsschrift: Professor Paulsen und die Judenfrage. Berlin, Verlag von M. Poppelauer.

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