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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-03-01 · Heft 3 (1.3.1898) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 3 (1.3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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— 53 — Gott sei Lob und Dank für dieses von „Deutschlands herrlichstem Historiendichter" besonders wertvolle Zugeständis, daß deutsche Juden (wie Riesser und Veit), ohne den Grundcharakter des jüdischen Stammes, der von der sinaitischen Offenbarung seine Weihe empfangen, verleugnen zu müssen, denn doch von grunddeutscher Empfindung und patriotischer Begeisterung getragen sein können. In gleichem Grade verlangt er aber die Stärke dieser Gesinnung von allen Juden, ohne die Verschiedenheit der Gemütsanlage, des Bildungsgrades und des Lebensganges zu berücksichtigen. So wenig die Christen nach Luther „alle gute Christen" sind, ebenso wenig können alle Deutsche als Ideal- oder Normaldeutsche gelten. In seiner bekannten Flugschrift fordert der Hofhistoriograph, dessen Ansichten heute in der Regierung, Verwaltung und einem großen Teil der Studentenschaft, der zukünftigen Regierung und Verwaltung, durchaus maßgebend zu sein scheinen, nochmals und nachdrücklich, daß die Juden nach erfolgter Emanzipation schlechtweg Deutsche werden sollen. Gleichsam eine zweite Prüfung ablegen als Bedingung voller Anerkennung im gesellschaftlichen Leben und definitiver Anstellung im praktischen Staatsdienst. Ähnliche Gedanken hören wir auch von anderen. Professor D. Paulus Cassel, der wohl mehr aus Neigung als aus Überzeugung den christlichen Glauben angenommen und freilich auch als geistvoller, die Hörer mächtig ergreifender Kanzelredner judaisirender Richtung „wahren Ruhm" erlangt hat, sagte einst vom theoretischen zu praktischen Christentum übergehend: die deutsche Regierung habe nationale Rücksichten zu nehmen. Herr Geh. Hofrat Prof. D. Sohm weist auf Polen, Dänen und Elsässer hin, denen als undeutschen Nationalitäten auch keine autoritativen Ämter und höhere Staatsstellungen anvertraut würden. Selbst Herr von Egidy, der nicht sowohl Edelmann als Edelmensch ist, wünscht, daß die Juden — sie sollen sich gar nicht als solche bezeichnen —, nennen sie sich das Salz der Erde, sich endlich auch mit den Wirtsvölkern zu wohlthuender Wirkung verschmelzen mögen, sonst hätten sie wohl ein Bürgerrecht, aber keine Heimat und kein Vaterland. In seiner neuesten Auflage der Ethik behandelt auch Professor Fr. Paulsen die Judenfrage. Auf seine Auslassungen könnte ich nur mit aller Zurückhaltung antworten. Unsere Weisen lehren, den, von dem man auch nur einen Buchstaben gelernt, Herrn nnd Meister zu nennen. Ich glaube bei ihm Philosophie nicht ganz ohne Nutzen gehört zu haben. Aber das kann ich verantworten: was dort geschrieben, ist nicht die Seelen läuternd, die Zweifel lösend geschrieben. Der Hauptgedanke ist, daß die Emanzipation auf Hoffnung der Assimilation gegeben sei; erfolge sie nicht, dann solle man sich nicht wundern, daß auch das Verhalten auf der anderen Seite ein anderes werde. Wir sollten unsere Zukunft — so heißt es daselbst —, die Zukunft unserer Familien nicht eberi so unlöslich mit der Zu-

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