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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-03-01 · Heft 3 (1.3.1898) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 3 (1.3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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— 52 — „Volkes der Wahl", das nicht.für immer verworfen; es handelt sich um feine Befreiung aus unwürdigem bürgerlichen und staatsbürgerlichen Druck, der für die Dauer nicht aufrecht erhalten werden kann. Nicht die angebliche Übermacht eines kapitalistischen Judentums*) trifft die Hauptsache der Streitfrage; der Kernpunkt liegt in der Stellung des deutschen Judentuns zum christlich-deutschen Volkstum: Germanisation oder Assimilation. Heinrich v. Treitschke sagt in seinen „Deutschen Geschichte": „Mendelssohns (gemeint ist der Tondichter, der Enkel des Weisen) edles und großes Wirken bewies für alle Zukunft, daß der deutsche Jude wahren Ruhm erringen kann, wenn er ganz und ohne Vorbehalt im deutschen Leben aufgeht." Ich meine, auf solchen „Ruhm", der nicht einmal im Standpunkte der Politik, geschweige denn der Ethik sonderlich „fein" ist, wird eine israelitische Religionsgemeinschaft für alle Zukunft verzichten müssen- Ich denke auch, daß deutschem Treugefühl es widerstrebe, Andersgläubige etwa zum Treubruch (Renegatentum) nur entfernt bestimmen zu wollen. Hat ja auch jeder freie Mann sein Bestimmungsrecht und trägt für sein wie immer geartetes Handeln vor Gott und dem Gewissen, dem Gott in der Brust, die Verantwortung. Drum wird der Mensch von Grundsatz und Charakter in Allem nur der eigenen Überzeugung von dem eigenen Besten folgen. So bleibt denn mit der mosaischen Glaubensgenossenschaft, die mit Nichtjuden nicht um der Gewissensfreiheit, sondern der Glaubensreinheit willen in Blutsverwandtschaft nicht treten kann, unlöslich verbunden die hebräische Stammesgenossenschaft. Nur nationaler Chauvinismus, dem gesunden Deutschen so fremd wie dieses Wort nur Überspannung des Nationalismus auf Kosten des Volksorganismus, dessen germanischem Metall nach Mommsen die Vorsehung einige Prozent Israel beigemischt hat, kann Unbilliges, Unmögliches verlangen. Grunddeutsch und gutjüdisch sind zum Glück auch keine Gegensätze; diese Begriffe sind auch einer harmonischen Ergänzung weder unfähig noch unwürdig. Der gefeierte Historiker schreibt denn auch über Gabriel Riesser, „den tapferen und beredten Vorkämpfer" der Gleichstellung. „Da er selbst so grunddeutsch empfand wie sein wackerer Freund M. Veit in Berlin, so behauptete er kurzweg die deutschen Juden hätten ihrer alten Nationalität schon längst entsagt. . . Wären alle deutschen Juden wirklich so gesinnt gewesen wie dieser begeisterte Patriot, dann hätte ihre Gleichberechtigung in unserm weitherzigen Volke keinen Widerstand gefunden." *) Professor Dodel bemerkt in seiner Schrift „Moses oder Darwin": „Erst wenn alle Geldherrschaft gebrochen ist, wird auch die jüdische Geldherrschaft gebrochen sein. — Diese Geldherrschast — auch ste war ein geschichtlich notwendiger Kulturfortschritt und die Juden haben durch ihre jüdische Geldherrschaft, durch ihr rasches Einleben in den Kapitalismus und dessen rasche Fortenwicklung ein großes Kulturverdienst sich erworben."

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