Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1898)
- Date
- 1898-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969854--5319-2974615- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
47 eine anschauliche Darstellung der spezifisch französischen Spielart dieser Völkerkrankheit, deren Einzelheiten dem Leser weniger in der Sache, als in der Art der Darstellung Neues zu bieten vermag. Die dem deutschen Leser auffallende Feindseligkeit gegen die Freimaurerei, der die Hauptschuld au allen Uebeln der Zeit zugeschrieben wird und der insbesondere alles was die Antisemiten an den Juden auszusetzen haben, in die Schuhe geschoben wird, mag dem in einem katholischen Laude in den Raumen des katholischen Instituts redenden Katholiken von urteilsfreien Lesern nicht weiter verübelt werden; diese Ueberznckerung der bitteren Pille hat ihm wenigstens einige uneingeschränkte Beifallsbezeugungen seiner Zuhörer eingetragen. Weniger konnte dies natürlich mit seiner Schlußbetrachtung der Fall sein, wo er die Frage: „Was will der Antisemitismus?" mit dem für die Intoleranten in allen Lagern beherzigenswerten Hinweis beantwortet, daß sie nur die Wahl haben zwischen dem Scheiterhaufen des finsteren Mittelalters oder der Freiheit des Glaubens und Denkens. „Ich für mein Teil," schließt der Redner seine Betrachtung, in der er die ganze Frage auf ein höheres Niveau, weit über dasjenige der von ihm derb zurechtgewiesenen Antisemiten hinausgehoben hat, „ich habe meine Wahl getroffen. Hier wie überall stimme ich für Freiheit und gleiches Recht'für alle. Dies ist der einzige feste Grund, auf dem wir unbesiegbar sein werden. Gleiches Recht für alle, nicht nur für den Semiten verlange ich es, sondern für alle unter uns, die darnach streben, ohne es immer zu erlangen. Freiheit fiir den Juden sowohl, aber ebenso auch für den Christen, den Katholiken ebenso wie den Protestanten, für den Priester, für den Religiösen, kurz Freiheit für alle! Das ist mein Glaubenssatz, und das die einzig wahrhafte, die einzig praktische, die einzig moderne Lösung der Frage." Daß Herr Leroy-Beaulien sich, großen Erfolg von seinem begeisterten und wohldurchdachten Bortrag versprochen habe, läßt sich kaum annehmen, dafür kannte er gewiß sein Publikum zu gut. Umsomehr muß jeder ihm für sein Auftteten Dank wissen, der, ob Jude oder Christ, mit schmerzlichem Bedauern das traurige Schauspiel mit ansieht, das die Finsterlinge auf allen Gebieten aus dem aufgeklärten 19. Jahrhundert als traurige Erbschaft dem kommenden Geschlechte überliefern wollen. Möge darum dieses Beispiel des tapferen Franzosen, alle die zur eifrigen Nachahmung anspornen, die in diesem traurigen, aber leider notwendigen Kampfe der Waffe des Wortes sich zu bedienen wissen. Di-. F. M. Theater, Wustk und bildende Kunst. Herr Frauberger, Direktor des Kunstgewerbe-Museums in Düsseldorf hielt in Leipzig im Vereine für jüdische Geschichte und Literatur einen Bortrag „lieber das Aufsammeln und die Verwendung jüdischer Alterthümer." Herr Frauberger