Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1898)
- Date
- 1898-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Menschenliebe. Nicht trennen sollen die Religionen, daß die Menschen sich hässeü und zerfleischen, sondern einigen und verbrüdern. Sein Bestreben war darauf gerichtet, durch Leben, Beispiel, Aufmunterung und Lehre die Erkenntniß der ewigen Wahrheiten, welche für das Reich Gottes geschickt machen, zu wecken und zu fördern. So hat er unter Euch gewirkt, das war ein Segen, womit ihn Gott geschmückt hatte. Von dem Arbeitsfeld hat ihn jetzt der Herr abberufen. Bor der Welt unscheinbar, vor dem gnadenreichen Vergelter aber nach dem Werth, belohnt. Er ruhe in Frieden!" — In Aschaffenburg ist Herr Distriktsrabbiner Simon Kamberger nach längeren Leiden gestorben. — Der Tod des Erzbischofs Antonius von Phoma in München hat in allen Kreisen Teilnahme erweckt. Er war nicht nur ein Mann des Glaubens, sondern auch des Friedens und der Milde. Kurz vor seiner Ernennung zum Bischöfe von Passau sagte er zu einem Münchener Israeliten: „er könne nicht begreifen, wie Jemand Antisemit sein könne." — In Waag-Uenstadtl starb im Alter von fast 85 Jahren Herr Rabbiner Josef Weiffe. Von ihm erschien vor einundsechzig Jahren ein Commentar zu dem biblischen Buche der Chronik, durch den er sich einen bedeutenden Ruf in der Gelehrtenwelt erworben. Sein hebräischer Stil war geradezu klassisch. In seinem Nachlasse befindet sich eine Arbeit über den mittelalterlichen neuhebräischen Dichter Jedaja Penini und wichtige Beiträge zur Geschichte der Juden in Mähren. Neben seiner hingebenden Thätigkeit als Rabbiner leistete er Bedeutendes als Schulmann. Die Gründung einer Volks- und Realschule in Waag-Neustadtl ist sein Werk. Groß war die Teilnahme bei seinem Leichenbegängnisse, bei dem die Glocken der Kirchen läuteten und an dem sich zu beteiligen der Geistliche des Ortes von der Kanzel seine christlichen Zuhörer aufforderte. Ein Sohn des Verewigten ist Herr Rabbiner Dr. S. Meiste und Dr. Grünwald in Berlin, der der Wissenschaft zu früh entrissene Gelehrte, war sein Schwiegersohn. — In Uagy-Wihaly ereignete sich ein seltener Fall. Die Gattin des Kaufmannes Grünwald starb nach langem Leiden und wurde von ihrem Gatten und ihren vier Kindern als tot betrauert. Nur auf die telegraphisch verständigten Eltern wartete man, um die Trauerceremonie zu vollziehen, da hörte der Gatte plötzlich ein Stöhnen aus dem Sarge. Mit unbeschreiblicher Hast riß er den Deckel auf und gewahrte, daß seine Frau noch lebe. Kurz darauf langten die Eltern an. Frau Grünwald erholte sich bald und der überglückliche Gatte spendete eine größere Summe für die Armen. — Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich hat dem Generalstabsarzt Dr. Michael Waidstein den Adelsstand mit dem Prädikate Edler von Heilwehr allergnädigst zu verleihen geruht. — In Siklos starb Herr Rabbiner Aron Koth im Alter von 73 Jahren. Derselbe beteiligte sich auch in früheren Jahren als Mitarbeiter an unseren Monatsblättern. — In Ungarn starb der 114 jährige Samuel Keich. Seine 73jährige Enkelin pflegte ihn in den letzten Tagen. Die Zahl seiner Kinder Enkel und Urenkel betrug nicht weniger als 215. — Der Herausgeber ynd