Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-02-01 · Heft 2 (1.2.1898) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 2 (1.2.1898)
Date
1898-02-01
Page
Seite 42 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969851-2969854--5314-2974610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 42 — in den Jahren 1886 bis 1893 die Zahl der Mischehen im preußischen Staat von 217 auf 316, im Gebiet der evangelischen Landeskirche von 128 auf 144 gestiegen ist. Diese Zahl hat den Oberkirchenrath nicht veranlaßt, in der Sache weitere Schritte zu thun, da er nur in Bezug auf Berlin der Ansicht war, daß Bedenken zu erheben seien. Es ist demgemäß das Berliner Konsistorium ersucht worden, seine Aufmerksamkeit auf diese Frage zu richten. Außerdem sind die Superintendenten der Landeskirche ersucht worden, mit ihren Diözesen weiter über die Frage zu verhandeln. — Dem Gemeinnützigen Vereine in Dresden haben Nachkommen des verstorbenen Kommerzienraths Josef Dondi, eines langjährigen Wohlthäters der Ferienkolonien, zum Gedächtniß an ihren Vater 100 000 Mk. übergeben mit der Bestimmung, dafür ein „Josef Bondi-Haus" zur Aufnahme erholungs- und genesungsbedürftiger Kinder zu errichten. — Das Budget in Kayern pro 1898—99 weist auch folgenden Posten auf: Zur Aufbesserung des Einkommens gering dotirter Rabbinatsstellen 12,000 Mk. und zur Fürsorge für dienstunfähige Rabbiner und deren Relikten 2000 Mk., zusammen für den israelitischen Kultus in Bayern, 14,000 Mark. — Herr Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld aus Schwerin-Meckl. hielt in der letzten Sitzung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner in Herlin auf Einladung einen Vortrag über das Thema: „Die Sprache der Bibel und die Sprache der Schule". — In Sulz u. W. wurde eine Synagoge eingeweiht. — In Eltville ist der neue Friedhof durch den Bezirksrabbiner Herrn Dr. Silberstein aus Wiesbaden eingeweiht worden. — Herr Dr. K. Sternfeld, Privatdozent der Geschichte an der Universität in Kerlin ist zum Professor ernannt worden. — In hohem Alter ist nach mehr als vierzigjähriger verdienstvoller Wirksamkeit Herr Rabbiner Lazarus in Westhofen verschieden. Von den Reden verdient besonders die des protestantischen Pfarrers Kiefer Erwähnung. Der ehrwürdige Geistliche, welcher bereits vor einigen Jahren bei Gelegenheit der Synagogen-Einweihung herrliche Worte der Anerkennung für Juden und Judenthum gesprochen hat, gab seinen Gefiihlen etwa folgenden Ausdruck: „Noch ein Wort lasset mich, bevor diese Gruft sich schließt, dem lieben Verstorbenen Nachrufen, ein warmes Wort der Dankbarkeit, wie es der Heimgegangene verdient. Rabbiner Lazarus war vor mehr denn 35 Jahren mein erster Lehrer im Hebräischen; er stand damals in Schirrhofen, und zu seinem Rabbinat gehörte Bischweiler, wo mein Vater protestantischer Pfarrer war. Mein Vater schätzte die große Herzensgüte, die tiefen theologischen Kenntnisse des Verewigten sehr hoch. In einer langen Reihe von Jahren war ich mit ihm durch innige Freundschaft verbunden. Ein Mann, so schlicht in seiner äußeren Erscheinung, so einfach, so bescheiden, aber so voll Biedersinn, von Begeisterung für alles, was wahr, was gerecht, was edel ist, ein treuer Anhänger seiner Religion, aber doch mit einem Herzen voll Duldung, voll Verständnis auch für fremde Ansichten. Die Religion galt ihm als die Führerin zur Gottesliebe und Nächstenliebe, d. h. zur allgemeinen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.